#Maischberger: Kann der Staat uns noch schützen?

Ich habe heute ein verkürztes Transkript der 28 Minuten geschrieben, bei denen ich anwesend war, damit wir die Sendung demnächst mit englischen Untertiteln verteilen können.

Zudem habe ich [in Klammern per P.S.] eingefügt, was ich während der Sendung dachte, aber nicht gesagt habe. Dabei ist mir aufgefallen, dass ich mehrfach anderen ins Wort gefallen bin – noch öfter wäre unhöflich gewesen.

Zudem ging es in dieser Sendung um Einbruchsschutz, nicht um Waffenbesitz. Die meisten Gäste präferierten bessere (und teure) Sicherungen im Haus und mehr Polizei. Es ging aber auch um den Umgang mit professionellen Tätern, die häufig aus dem Ausland stammen. Interessant finde ich die Fragen von Frau Maischberger.

Zur schnelleren Übersicht, habe ich die wichtigsten Passagen fett markiert.

M: Sandra Maischberger (Moderatorin)
T: Katja Triebel (Inhaberin eines Waffengeschäfts)
B: Jürgen Behr (Pfarrer und Einbruchsopfer)
A: Marijke Amado (Moderatorin und Einbruchsopfer)
F: Sebastian Fiedler (Bund Deutscher Kriminalbeamter)
S: Stefan Studt, SPD (Innenminister Schleswig-Holstein)
Ex-Einbrecher: Siegfried Massat (Ehemaliger Berufseinbrecher)

Kurzbiografien der Gäste gibt es auf der Seite von Maischberger: Link!

———– Einspieler ————

(mit Aufnahmen des RBB im Dezember 2015, als wir noch Gaswaffen im Geschäft hatten)

Die Deutschen rüsten auf. Der Umsatz von Elektroschockern oder Pfefferspray hat sich im letzten Jahr verdoppelt. Auch der Verkauf von Schreckschusspistolen ist massiv gestiegen.

Viele Kunden begründen das mit der Angst vor ausländischen Kriminellen. Die neue Einbruchs-Statistik könnte den Trend zum bewaffneten Selbstschutz weiter verstärken.

Die Berliner Waffenhändlerin Katja Triebel verteidigt das. Legale Schusswaffen in Haushalten sind keine Gefahr. Wer sich unsicher fühlt, muss das Recht haben, sich zu verteidigen. Schusswaffen in den richtigen Händen können Leben retten.

Deswegen fordert sie, jeder zuverlässige Bürger sollte eine Waffe besitzen dürfen.

———– Einspieler ————

M: Und wir sind froh, dass wir sie jetzt begrüßen dürfen. Katja Triebel, schön dass Sie da sind. Pfefferspray und Schreckschusspistolen sind ausverkauft. Ist das eine Zeitungsente?

T: Nein, bis Mitte Januar waren diese ausverkauft.

M: Das ging über den Jahreswechsel?

T: Der große Boom der Schreckschusswaffen ist nicht Verteidigung, sondern zu Silvester mit Pyros. Zum Jahreswechsel sind oft alle Schreckschusswaffen ausverkauft. Die Industrie liefert langsam nach. Normal sind vier Wochen. Aber sie schaffte es bis heute – April – nicht.

M: Haben Sie eigentlich neue Kunden?

T: Insbesondere nach Köln kamen ganz viele neue Leute Und deren erstes Wort war:
Ich bin Pazifistin, aber.. Ich habe noch nie eine Schreckschusswaffe oder Pfefferspray gehabt, aber … jetzt bitte das volle Programm.

M: Jetzt sind Sie ja nicht so wie der Kollege (Foto im Hintergrund) aus dem Laden in Amerika, der Schnellfeuergewehre verkaufen darf. Was wollen denn die Menschen kaufen? Wie viel wissen sie darüber, was sie kaufen dürfen?

T: Die Leute sind ziemlich aufgeklärt. Es kommt kaum jemand und möchte etwas haben, was illegal ist. Also bei uns sind erlaubt: Elektroschocker, die sind seit Oktober ausverkauft. Es gibt Pfefferspray – zur Tierabwehr zugelassen. In Notwehr darf man diese auch benutzen, um sich in anderen Situationen zu verteidigen. Und es gibt die Schreckschusswaffe für zu Hause, Wobei die Gaspatronen, mit denen man sich wehren kann, auch ausverkauft sind. Und dann gibt es den Kleinen Waffenschein für die Schreckschusswaffe auf der Straße.

M: Und den haben jetzt mehr?

K: Ja! Und in Österreich ist das ein bisschen anders. Wenn man da 18 Jahre alt ist, dann darf man sich eine Schrotflinte kaufen. In einem österreichischen Waffengeschäft erklärt man seinen Wunsch. Dann wird im Ministerium nachgefragt, ob ein Waffenverbot vorliegt. Liegt kein Verbot vor, erhält man es nach einer dreitägige Abkühlungsphase.

M: Was ist eine Abkühlungsphase?

T: Damit man nicht im Affekt innerhalb von vier Stunden kauft, sondern erst nach 3 Tagen. In Österreich sind seit Oktober Schrotflinten und auch Gummischrot ausverkauft. An der Nachfrage nach nicht tödlichem Gummischrot erkennt man den Willen zum Selbstschutz. Für andere Zwecke – wie Hasenjagd – braucht man kein Gummischrot.

M: Bevor wir jetzt in die Diskussion einsteigen. Wenn Sie so von Österreich reden… Möchten Sie das gerne so auch in Deutschland? Oder verstehen Sie es nicht, dass es bei uns anders läuft?
T: Ja, ich verstehe nicht, warum das bei uns anders läuft als in Österreich.

M: Sie sagen, selbst wenn jeder Haushalt eine Waffe hätte, wäre das Leben sicherer.

T: Nein, ich sage, es wäre nicht unsicherer. Das ist ein großer Unterschied. Nicht jeder braucht eine Waffe. Manche Leute haben davor mehr Angst. Dann führt das zu mehr Unsicherheit.

Die Regierung glaubt, bei einer legale Waffe im Haus kommt es zu Affekten und steige das Risiko. Aber das stimmt nicht! Ausgebildete und wissende Leute mit legalen Waffen kennen sich mit dem Waffengesetz aus. Sie wissen, was Notwehr, Nothilfe und Notwehrexzess ist.

M: Wer ausgebildet ist, der kann doch jetzt schon.

T: Nein, das ist viel zu kompliziert.

M: Der 18-jährige, der in Österreich eine Schrotflinte kaufen kann, der ist ja noch nicht ausgebildet.

T: Ja, der nicht.

M: Würden Sie das gerne auch in Deutschland haben? Dass jeder einfach eine Waffen kaufen könne?

T: Nein, einfach möchte ich nicht. Aber die Auflagen, um eine legale Waffe kaufen und besitzen zu dürfen, sind zu streng.

M: Das hat zu diesem Spruch geführt?

T: Ja, und warum ich nicht glaube, dass es unsicherer wird, ein Beispiel:

Ein Jägers Familie hat ihre Kinder schon früh an Waffen heran geführt. Das passiert beim Putzen, auf der Jagd und beim Wettschießen. Das heißt nicht, dass die Kinder an die Waffen rangehen. Für die sind Waffen nichts Anormales. Das ist auch nichts mit Gewalt zu tun. Das ist ein Werkzeug, vor dem sie Respekt haben. Nur Mami und Papi haben Zugang und die Kinder wissen das. Als die Schulklasse der Jägers Familie zum „Offenen Tag der Polizei“ ging, interessierten sich die beiden Jägers Kinder, fürs Funkgerät und Motorrad.

M: Weil sie Waffe schon kannten??!

T: Die hatten überhaupt kein Interesse an der Pistole.

M: Aber Sie wissen, dass der Schütze von Winnenden die Waffen des Vaters einfach nehmen konnte? Und damit furchtbar viele Menschen damit getötet hatte.

T: Der Vater hat einen großen Fehler gemacht. Der hatte die Waffe außerhalb des Schranks aufbewahrt.

M: Der Respekt des Kindes vor der Waffe scheint nicht dagewesen zu sein.

T: Der Junge war ja wohl Tischtennisspieler, ein sehr passionierter..in seiner Jugend. Und das ist kein Heranführen. Und dann gibt es natürlich immer etwas aufgeklärtere Eltern und ein paar dümmere Eltern.

M: Sie sagen also jeder verlässliche Bürger sollte eine Waffe haben können.

T: Mit Auflagen.

M: Da wären wir bei der Frage, wer ist ein verlässlicher Bürger. (Maischberger wendet sich zu den anderen Gästen). Sie beide haben Einbrüche erlebt. Haben Sie daran gedacht, es wäre gut gewesen, wenn Sie etwas gehabt hätten, womit Sie sich verteidigen können?

B: Nein. Einen Moment lang habe ich das vielleicht gedacht. Aber es waren zwei Täter. Dann hätte ich den einen vielleicht kaltgestellt. Und der andere hätte mich kalt gemacht. Ich hatte danach Aggressionen gegenüber den Tätern. Ich hätten denen gerne die Schaufel vor das Knie geschlagen.

Der Polizist sagte, gut, dass Sie das nicht gemacht haben. Weil die Sekunde, die Sie zögern, zögert der nicht. Ich bringe mich dann damit in Gefahr. Nach meiner Erfahrung, wenn man Waffen hat, ist man geneigt, sie einzusetzen. Das führt zur Eskalation.
[P.S.: Nicht wenn man erfahren und ausgebildet ist]

A: Das sieht man an Amerika und Australien. 1996 nach dem Massaker hat man nach der Begrenzung von Waffen in Privathaushalten einen deutlichen Rückgang bemerkt.
[P.S.: Nein, der Rückgang war weltweit (u.a. in Neuseeland) außer in England]

In der Nachbarschaft hat sich ein 12-jähriger Junge die Waffe aus Vaters Schrank geholt und damit seinen Freund getötet.
[P.S.: Hatte Vater ein Geheimnis um die Waffe gemacht oder den Umgang erklärt?]

Da können schreckliche Dinge passieren. Das wird doch zum Wettrüsten.
[P.S.: Wettrüstung half im kalten Krieg zur Abschreckung]

Wenn wir uns bewaffnen, dann machen das die Einbrecher auch.
[P.S.: oder machen weniger heiße Einbrüche – siehe USA:England]

T (ungefragt): Zu Amerika. Dort ist in Großstädten die Mord- und Gewaltrate sehr hoch. Aber auf dem flachen Land haben wir europäische Gewaltraten.

Zudem finden die meisten Gewalttaten innerhalb der Gangs statt. Das ist auch bei uns der Fall.

M: Mehr Waffen führen also nicht automatisch mehr zu Gewalt?

T: Es kommt auch auf die Ausbildung an. Und welche Auflagen wir haben. Ich schätze, in Deutschland würden wir ein Deeskalationstraing und wie verhalte ich mich im Falle eines Falles einfach als Auflage machen. Wir sind hier immer sehr präventiv.

Es bedeutet nicht, dass eine Schusswaffe im Haus immer eingesetzt wird. Man wählt erst die 110, verbarrikadiert sich in seinem Zimmer und hofft, dass der Einbrecher geht.

M: Das klingt doch vernünftig, Herr Fiedler.

F: Nein, daran klingt gar nichts vernünftig. Wir reden hier über eine gesellschaftliche Gewaltspirale. Das wäre für mich die Überschrift dessen.

M: Aber nicht nur Frau Triebel,sondern auch andere Läden merken, dass es einen Run auf Abwehrmittel gibt. Damit müssen Sie sich auseinandersetzen.

F: Wir haben diese Entwicklung vorhergesagt. Anders herum wird ein Schuh draus.

Wenn der Staat zu schwach ist, dann fühlt sich der Bürger unsicherer, leistet sich mit Geld private Sicherheit und greift zu solchen Dingen.

Mich interessieren keine Statistiken. Ich habe den amerikanischen Präsidenten weinen gesehen.
[P.S.: später findet er Statistiken gut.]

Das war einer von vielen Amokläufen. Er hat geweint, weil die amerikanische Waffenlobby so übermächtig ist, dass selbst der Präsident der Vereinigten Staaten keine Gesetze erlassen kann, um dies einzudämmen.

M: Aber Sie wissen, dass nach diesen Amokläufen die amerikanische Gesellschaft sehr gespalten ist? Die eine Hälfte sagt, was Sie sagen und die andere Hälfte sagt, wären da mehr Waffen gewesen, dann wäre das nicht passiert.

F: Das ist ein groteskes Argument.

M: Dann frage ich Herrn Studt. Wir gehen nach Österreich. Wo offensichtlich der Staat in seine verlässliche Bürger mehr Vertrauen hat als der deutsche. Die dürfen mehr Waffen kaufen als wir bei niedrigerer Mordrate.

S: Wir müssen aus der tiefen Verunsicherung, die gestiegen ist, unsere Schlussfolgerung ziehen. Wir müssen uns polizeilich rund um die Themenfelder kümmern. Auch um die private Reaktionen der Leute, die bei Ihnen ein Abwehrspray oder Schreckschusspistole erwerben möchten. Das ist aber eine andere Dimension als die Kritik, den Katalog von Kauf anderer erwerbbare Mittel zu erweitern.

T: Die Situation in Österreich und Deutschland ist doch die gleiche. In Österreich kaufen sie aus der gleichen Gründen wie hier.

S: Wir haben ein schönes eigenes Recht in Deutschland, dass ja nicht zwingend dem österreichischem entsprechen muss und umgekehrt. Ich glaube dass unsere Differenzierung genau die richtige ist. Dass echte Waffen nur in die Hände von geschulten Sportschützen und Jägern gehören. Der Waffenerwerb, die Waffenbesitzkarte, der große Waffenschein ist ein schwieriger Weg, den man nur mit Zuverlässigkeitsprüfung durchlaufen kann. Eine Erweiterung in einen Kreis, der darüber hinaus geht, ist für mich kein Diskussionsthema.

M: In Hamburg hatte ein Sportschütze mit professioneller Ausbildung eine Waffe zu Hause und kam in die gleiche Situation wie Herr Behr. Er stand einem Einbrecher gegenüber. Was hat er gemacht?

———– Einspieler ————

Frau 1: Da vorne lebt ein Mörder, er hat ihn einfach umgebracht. Es war der tollste Mensch, den man sich vorstellen kann.

Frau 2: Wer so kriminell ist, der muss damit rechnen, dass ihm irgendwann mal was passiert.

Aus dem Off: Dieser Fall polarisierte die Menschen in Hamburg Jenfeld. Juni 2015: zwei Männer versuchen spätabends in dieses Haus einzudringen.

Wo der 63 jährige Dieter B mit seinem pflegebedürftigen Vater lebt. Sie treten die Haustür ein. Dieter B. greift zu einer Waffe und schießt auf den Einbrecher. Trifft ihn in der Brust. Ich hatte Panik und drückte ab, wurde der Todesschütze später zitiert. Der Einbrecher stirbt auf der Flucht. Dieter B. war als Sportschütze berechtigt, Schusswaffen zu besitzen. Allerdings nicht die Tatwaffe. Deswegen ermittelt die Staatsanwaltschaft noch. Die Ermittlungen wegen eines Tötungsdeliktes aber hat sie eingestellt. Es war Notwehr.

Freunde des Einbrechers, den die Polizei einen Intensivtäter nennt, sind empört. Frau 3: Jeder macht mal Fehler, deshalb muss ihn nicht umbringen.

Die Nachbarn sehen das anders. Mann: Wenn zwei auf dich zukommen, weiß man nicht, was die vorhaben. Soll ich dabei draufgehen? Dann schieße ich vorher.

———– Einspieler ————

M: Also dieser Fall spaltet die kleine Einwohnerschaft von Hamburg Jenfeld auch. Frau Amado, ist der Mann im Recht gewesen?

Man muss dazu sagen, die Täter haben vorher unter falschem Vorwand geklingelt. Dann sind sie gegangen und kamen später wieder. Sie haben also die Tür eingetreten, wissend, dass da jemand zu Hause ist. War der Mann im Recht dass er dann schießt, wenn er das kann?

A: Ich kann das nicht beurteilen. Ich habe einen Überfall erlebt als ich 21 Jahre alt war. Da kamen zwei maskierte Männer rein mit Schusswaffen.

M: Sie hatten eine Ausbildung gemacht in einem Juwelierladen.

A: Ja, als Goldschmiedin. Das war ein Moment, man weiß ja nicht wie man reagiert, man kann das vorher nie lernen.
[P.S.: Falsche Annahme, so etwas kann man trainieren.]

Ich hatte gerade den Schmuck ins Schaufenster gelegt, da hatten sie mir die Pistole an den Kopf gesetzt. Ich habe alles wirklich gemacht, was man nicht machen sollte. Dass ich nicht erschossen wurde, ist ein Wunder.
[P.S.: Warum? Die Räuber wollten nur den Schmuck.]

Ich bin sogar nach draußen gegangen und habe das Autokennzeichen notiert. Und habe das per Telefon weitergeleitet. Aber man ist ja so durcheinander. Wenn man eine Waffe hat, können komische Dinge passieren, wenn man nicht geschult ist.
[P.S.: Ich habe mit 21 Jahren auch in einer Ausbildung einen Banküberfall erlebt, war vorab geschult und habe mich an die Regeln gehalten.]

M: Herr Fiedler, Sie sind ein ausgebildeter Polizeibeamter. Stellen Sie sich mal vor sie wären zu Hause, die Familie schläft oben. Der Täter kommt wieder. Er hat gerade geklingelt, steht wieder vor der Tür und diese eingetreten. Sie haben die Waffe zur Hand. Welche Alternativen gibt es?

F: Das ist aus meiner Sicht lupenrein geregelt im Notwehrrecht. Das war ein gegenwärtiger rechtswidriger Angriff. Da muss ich die Verhältnismäßigkeit wahren und dann darf ich … das .. darf ich alles tun, was diesen diesen rechtswidrigen Angriff beendet.
[P.S.: wollte er … schießen … sagen?]

Der Unterschied zwischen mir und einem normalen Bürger ist, dass ich studiert und trainiert habe. Der unbedarfte Bürger der ein Pfefferspray, eine Schusswaffe oder was auch immer in der Hand hat, kann damit nicht umgehen.
[P.S.: Pfefferspray kann jeder und den Rest kann man lernen.]

M: Was wäre passiert wenn der keine Waffe gehabt hätte?

F: Der Sportschütze? Das kann ich nicht beantworten.

M: Die kamen zwei Männer für einen Raubüberfall und haben die Tür eingetreten. Angenommen, er hätte keine Waffe, was wäre passiert?

F: Das ist eine hypothetische Frage. Es hätte die Möglichkeit bestanden, dass gar nichts passiert wäre, dass er mit einer Axt reagiert hätte… Solche hypothetischen Fragen bringen uns in der Diskussion nicht weiter.

M: Und welche Frage bringt uns weiter?

F: Die Frage ist, ob ein Aufrüsten mit solchen Hilfsmitteln oder Schreckschusswaffen uns weiter bringt. Da mache ich ein ganz großes Fragezeichen. Ich habe 15 Jahre lang nebenberuflich Selbstverteidigungskurse gegeben und kann sagen, dass ist so einfach nicht.

Graben Sie mal unterwegs in der Handtasche nach dem Pfefferspray..
[P.S.: das führt man einsatzbereit in der Jackentasche!]

… oder suchen Sie zu Hause nach ihrer Waffe.
[P.S.: Beim Bürger immer am gleichen Ort – nur Polizisten legen die in der Wohnung irgendwo hin.]

Ich glaube nicht, dass das Aufrüsten – auch nur ansatzweise – zu einer höheren Sicherheit beiträgt.
[P.S. nur Polizisten dürfen sich zu Hause sicher fühlen?]

Wir müssen gesamtgesellschaftlich über das Thema diskutieren, müssen über Prävention sprechen und Kriminalpolizei und Justiz entsprechend aufstellen. Wir müssen den professionellen Tätern das Handwerk legen. Das ist eine staatliche Aufgabe. Der Bürger hat mit seinen Steuergeldern einen Anspruch darauf, dass der Staat sich hier engagiert.

M: Wir zahlen Steuergelder und wissen nicht, wo die ankommen. Jedenfalls nicht in meinem Schutz, denn bei mir wird häufiger eingebrochen.

Ex-Einbrecher erzählt ein Beispiel aus der Praxis. Albaner auf Asyl sind hergekommen mit Pistolen. Nur weil das Einbruchsopfer Waffenbesitzer war, haben die Albaner ihre Pistolen beim Bruch mitgenommen.

Der Einbrecher schießt schneller als Sie, wenn er weiß, dass Sie eine Waffe haben.
[P.S.: Falsch. Einbrecher denken ökonomisch. Mord ist nicht profitabel. Drohen:ja, Warnschuss:ja, Töten:nein]

Der normale Einbrecher haut ab. Und wenn Sie eine vernünftige Sicherung haben, kommt der erst gar nicht rein.
[P.S.: Er verdient sein Geld mit Sicherungsberatung.]

Die gewalttätigen Räuber führen ihren Raub durch, auch wenn Sie ein Maschinengewehr oder Pistole im Haus haben.

T (ungefragt): Es heißt doch immer, jedes Opfer zählt. Wir hatten letztes Jahr zwei Opfer. Eine 80-jährige Frau, die ausgeraubt und gefesselt und geknebelt wurde und über Nacht an dieser Tortur starb. Das andere Opfer ist ein junger Mann, der auch gefesselt und geknebelt wurde und mit Messerstichen lebensgefährlich verletzt wurde, damit er seine Geldverstecke verrät.

Wir haben Pfefferspray, Schreckschusswaffen und evtl. andere Sachen. Wir kennen aus dem Fernsehen Stories, wo mit einer Schreckschusswaffe der Einbrecher verjagt wurde.

Und wir kennen aus Amerika Zahlen von ausgebildeten Leuten. Nicht jeder, der da drüben hat eine Waffe hat, hat eine Ausbildung. Aber das kann man ja in Deutschland verlangen. Ich sage nicht, dass jeder Depp eine haben sollte.

Ausbildung ist ganz wichtig. Aber die, die eine Ausbildung haben, deeskalieren. Bei 80 Prozent wurde überhaupt kein Schuss abgegeben, der jemanden verletzt.

M: Die 80-jährige Frau hätte sich erst ausbilden müssen, dann hätte sie eine Waffe kaufen können. Und dann noch im richtigen Moment die Waffe gegen den Täter richten. Ist das wirklich realistisch?

S: Nein. Das ist doch genau die Gewaltspirale, die Sie geschildert haben.
[P.S.: Ja, so wehren sich in den USA viele Rentnerinnen und Rentner.]

Das ist ein gegenseitiges Aufrüsten und Wettrüsten und hilft uns nicht weiter.

M: Es hilft aber auch nicht weiter, wenn man die Zahlen betrachtet. Die Aufklärung ist das eigentliche Desaster. Tatsächlich haben in den letzten Jahren die Einbrüche zugenommen.

Auch in Ihrem Bundesland, Herr Studt, gab es eine Absenkung der Aufklärungsrate, im Durchschnitt auf 16 Prozent. Wenn man genau hinguckt wie viele davon verurteilt werden, sind es davon nur zwei Prozent. Das ist verschwindend gering.

S: Da bin ich bei Ihnen, dafür sind wir zuständig, da müssen wir etwas tun – und wir tun was.

M: Warum ist es denn so schwer, die Aufklärung zu verbessern. Ich zahle ja viele Steuern.

S: Zu Ihren Steuergeldern: Wie viel wollen wir in die innere Sicherheit investieren? Wie viel in Infrastruktur, Bildung und Kultur. Das ist ja eine typische deutsche Mentalität: mehr Sicherheit, mehr Kultur, mehr Bildung oder Infrastruktur.

Aber diese Verteilungsdiskussion haben wir jedes Jahr. Die Finanzminister und Landesparlamente entscheiden, wie viel Personal, wie viel Polizei ich bekomme und wie viele Mittel zur Verfügung stehen.

M: Das heißt, Sie haben ein Problem mit Ihrem Finanzminister? Denn in Bayern ist tatsächlich die Zahl der Einbrüche zurückgegangen.

S: Ich habe kein Problem mit meinem Finanzminister, denn mir wurden zusätzliche Stellen bewilligt.
[P.S.: 30 Stellen für 2,8 Mio. Einwohner]

F: Die Frage nach den Aufklärungsquoten ist ein ganz normaler statistischer Zusammenhang.
[P.S.: Aha, jetzt findet er Statistik wichtig.]

Ein Sachbearbeiter kann am Tag nur eine gewisse Aufklärungsleistung vollbringen. Wenn die Anzahl der Taten steigt, sinkt die Aufklärungsquote. Niedrige Quoten sind ein fruchtbares Pflaster für Täter. Es spricht sich bei den Tätern herum, wo die Wahrscheinlichkeit entdeckt zu werden, hoch oder gering ist. Und wenn sie entdeckt werden, wie hoch die Sanktionen sind.

Diese einfachen kriminologischen Zusammenhänge, die jeder im Erstsemester versteht, müssen wir wieder begreifen und in die Politik tragen. Dann sind die Lösungsansätze zumindest für die professionelle Täter gar nicht so schwer, wenn man uns lässt.
[P.S.: mehr Geld für die Polizei, aber Ächtung aller Selbstschutzmittel.]

M: Die gucken, in Bayern gibt es mehr Polizei und da gehe ich nicht hin?

F: Natürlich! Das wissen wir durch die Telefonüberwachung. Die Täter unterhalten sich exakt darüber.

Ex-Einbrecher bestätigt, dass das Risiko für einen Bruch in Bayern höher eingeschätzt wurde.

M: Was ,Herr Studt,machen die Bayern besser als Sie? Die haben mehr Geld?

S: Ja, die haben mehr Polizei – auf die Einwohnerzahl bezogen. Die statistischen Angaben von Herrn Fiedler stimmen. Wir brauchen eine konsequente einheitliche Linie in polizeilicher Arbeit, über den Staatsanwalt bis hin zur Gerichtsbarkeit. Das ist der eine Ansatz.

Wir müssen uns auch diejenigen genauer anschauen, die unsere Integrationsleistung unter dem Siegel des Flüchtlingsstatus missbrauchen. Wir müssen auch die ausländerrechtlichen Möglichkeiten stärker in den Blick nehmen, um deutlich zu machen: Wer als Tourist zu uns kommt, ist solange willkommen solange er sich an unsere Regeln hält. Wenn er das nicht tut, dann gibt es einen schnellen Weg, der auch wieder rückwärts führen muss.

M: Die Polizei sagt, die Innen- und Finanzminister müssen was tun. Die Innen- und Finanzminister sagen wir tun schon was. Und so lange nichts getan wird, profitiert Frau Triebel. Ist das so?

T: Profitieren tue ich ja nicht, weil wir keine Selbstschutzwaffen verkaufen. Und wenn das gesamte Geschäft ausverkauft ist, dann berät man ja trotzdem. Man erzählt die Vorteile und Nachteile vom Schrillalarm, vom Elektroschocker, vom Pfefferspray und der Schreckschusswaffe. Aber man verkauft nichts, weil kein Nachschub da ist.

Ein Kollege von mir sagte, er würde gerne auf diesen Mehrumsatz verzichten, wenn die Sicherheitslage wieder anders wäre.

Es macht keinen Spaß, Menschen mit Angst im Verkaufsgespräch abzuholen.

M: Herr Fiedler, so dramatisch ist dann aber nicht?

F: Nein, wenn wir von unter 170000 Einbrüchen reden bei einer 80 Millionen Bevölkerung,

T (ungefragt): Aber da gibt es ja auch noch die Gewalt auf der Straße.

F: Das ist klar. Aber es gibt die mediale Berichterstattung seit der Silvesternacht. Das war ja der Auslöser.
[P.S.: Nein, der Run begann im Oktober.]

Aber das ist ja nicht mit der objektive Lage tatsächlich über einzubringen. Ich bin nicht dafür bekannt, dass ich die Kriminalität schön rede. Ganz im Gegenteil! Aber das muss man an dieser Stelle durchaus zurecht rücken.

Das ist wirklich weit übers Ziel hinaus geschossen, was da passiert ist,……was die Beantragung von kleinen Waffenschein und Käufen von Pfefferspray der Deutschen angeht.
[P.S.: 300.000 Kleine Waffenscheine = 0,3% = zu viel?]

Das einzige, was ich positiv finde, ist, wenn sich die Leute körperlich ertüchtigen und Selbstverteidigungskurse belegen.
[P.S.: Das ist realistischer für 80-jährige als eine Schutzwaffe?]

M: Es wurde gesagt, die Hausbauer sollten verpflichtet werden, mehr Sicherheit ins Haus zu bauen. (Anm. Vorschlag kam vom Ex-Einbrecher, der Sicherheit verkauft). Frau Amado, haben Sie ihr Haus nach dem Einbruch aufgerüstet?

A: Absolut. Ich habe früher oft „homestorys“ gemacht. Die mache ich nicht mehr. Ich habe mehr Sicherheiten: Alarm und Überwachungslicht, das angeht, wenn einer durchläuft.

M: Aber es doch nicht viel passiert seitdem.

A: Hallo? Bitte wegbleiben! Man kann sich schützen. Und ich denke, solange die Polizei nicht die Kraft hat, um alle zu beobachten …
[P.S.: Wollen wir das?]

soll man – wir leben ja in einer sehr anonymen Welt – mehr kommunizieren mit Nachbarn und mit der Umgebung. Damit man sich auch gegenseitig auch schützt.
[Anmerkung vom 1. Teil: Amado hat eine Whats App Bürgerwehr im Dorf]

Wir leben in einer Zeit, wo wir – europäisch gesehen – miteinander zusammenarbeiten müssen, um uns abzusichern. Nicht nur das Haus, sondern unser ganzes Sein, unsere Freiheit.
[P.S.: Das kann ich unterschreiben. Zu meiner Freiheit gehört u.a. Waffenbesitz.]

M: Ein großes Feld in dieser Diskussion. Danke für diesen Hinweis. Da machen wir wahrscheinlich in der nächsten Sendung weiter. Vielen Dank an meine Gäste und an meine Zuschauer.

2 Gedanken zu “#Maischberger: Kann der Staat uns noch schützen?

  1. Esrtmal vielen Dank für die Mühe.

    Und schon wieder ein PVB der, wahrscheinlich genau so wie beim „Gewaltmonopol“, vergessen hat das es eine normierte Güterabwägung – nichts anderes ist Verhältnismäßigkeit- ex ante nicht funktionieren kann und hier die Erforderlichkeit ausreicht.
    Peinlicher Blödsinn eben, schlimm nur dass das der Moderation garnicht auffällt.

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