Glyphosat: Follow the money

Jeder wünscht sich gesunde, bezahlbare Lebensmittel und möchte gleichzeitig die Artenvielfalt stärken und die Natur schützen.

Doch wo Lebensmittel angebaut werden, gibt es keine Artenvielfalt, da Unkräuter den Ertrag schmälern; wo Lebensmittel produziert werden, greift der Mensch massiv in die Natur ein und bestimmt, was dort wachsen darf; wo preiswerte Herbizide verboten werden, müssen teure andere Herbizide oder teure menschliche Arbeit oder Roboter eingesetzt werden.

Die Debatte um Glyphosat stellt beim Bürger eine generelle Kritik an der konventionelle Landwirtschaft dar (mehr Artenvielfalt) und fordert eigentlich ein Verbot sämtlicher Chemie in der Natur und Nahrungsmittelproduktion (weniger Pestizide).

Schaut man sich aber die derzeitigen Alternativen von Glyphosat an (Pflügen oder andere Herbizide), so kann man erkennen, dass ein Verbot weder zu mehr Artenreichtum führen wird, noch dazu, dass weniger schädliche Gifte in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Es geht einzig und allein darum, künftig teure EU-Herbizide abzusetzen, die solange unverkäuflich sind, solange es Glyphosat gibt, dessen Patent schon abgelaufen ist.

Ein Aktivist des PAN Italia (Pesticide Action Networks) kritisiert auf Twitter, dass dieses Verbot eben nicht zu einem Verbot von Pestiziden führt, sondern nur, um die „Bio-Herbizide“ von Novamont (IT), Jade (FR) und Belchim (BE) zu promoten.

Ich beschäftige mich jetzt sein über zwei Jahren mit Glyphosat, insbesondere in der letzten Woche und habe mal viel Wissenswertes aus Verbrauchersicht zusammen gestellt. Achtung der Artikel ist sehr lang, daher vorab die Zwischenüberschriften:

  • Herbizidfreie Landwirtschaft
  • Artienvielfalt
  • Alternative: Pflügen
  • Alternative: andere Herbizide
  • Follow the money: Beloukha (FR/IT/BE) statt Roundup (US/DE)
  • Pelargonsäure
  • Glyphosat
  • Ist Glyphosat krebserregend? Nein!
  • Vergleich Glyphosat mit Pelargonsäure
  • Die Dosis macht das Gift (nicht die Herkunft)
  • Warum der Kreuzzug gegen Glyphosat?
  • Zwei-Klassen-Chemie
  • Weitere Infos
  • Mein Fazit

Herbizidfreie Landwirtschaft

Daher ist das einzig Gute an der Debatte um Glyphosat, dass tatsächlich an einer herbizidfreien Landwirtschaft geforscht wird. Diese ist laut Experten realisierbar, aber auch kostenintensiver bei der Herstellung von Lebens- und Futtermittel.

Um Unkräuter zu unterdrücken, forscht man an vielgliedrigen Fruchtfolgen, an der Untersaat von Bodendeckern wie Klee und Gras bei Mais und Getreide und auch an intelligenten Geräten oder gar selbständig durchs Feld fahrenden Agrarrobotern, die Unkräuter erkennen und nur diese gezielt entfernen.

Zur Zeit gibt es jedoch noch keine massentaugliche Methode, die funktioniert oder bezahlbar wäre. Die Mehrheit der Konsumenten ist (noch) nicht bereit, deutlich mehr für Nahrung zu zahlen.

Artenvielfalt

Jede Form von Landwirtschaft ist schlecht für die Artenvielfalt – ob der Acker nun mit Glyphosat und damit bodenschonend behandelt oder mit dem Pflug umgebrochen wurde: Das, was vorher dort wuchs, lebt danach nicht mehr. Das verschafft dem Saatgut, das danach ausgebracht wird, einen Zeitvorteil.

Ludger Wess

„Natürlich reduziert Glyphosat den Pflanzenaufwuchs auf einer Fläche– das macht die mechanische Bodenbearbeitung mit dem Pflug aber auch.“

UBA-Chefin Maria Krautzberger: „Denn Glyphosat und andere Breitbandherbizide tragen nachweislich zum Verlust der Artenvielfalt in Ackerlandschaften bei. Sie beseitigen auf Äckern jeglichen Wildpflanzenwuchs, so dass Insekten und Feldvögeln wie Lerche und Rebhuhn die Nahrungsgrundlage fehlt.“

Der Bericht empfiehlt deshalb der Europäischen Kommission, die Genehmigung für Glyphosat mit der Maßgabe zu verbinden, dass die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um solche Effekte und nachteilige Auswirkungen auf die biologische Vielfalt zu reduzieren.“

„Hier steht schwarz auf weiß, dass die vermuteten Effekte nicht typisch für die Substanz Glyphosat sind, sondern für den Gebrauch von Herbiziden per se.“

„Wenn nicht Glyphosat, dann würde ein anderes Herbizid eingesetzt werden oder es würde mehr gepflügt werden.“

Barbara Hendricks kommentierte die Entscheidung in ihrem Online-Tagebuch 2: „Die ECHA hat aber auch klargemacht: Für unsere Umwelt ist Glyphosat äußerst gefährlich. Glyphosat stellt eine erhebliche Gefahr für die Artenvielfalt auf Feldern und Äckern dar. Was lange Zeit von der Pflanzenschutzmittelindustrie als Lappalie abgetan wurde, ist nun von der zuständigen EU-Behörde als erhebliche Umweltgefährdung eingestuft worden.“

Diese Einschätzung verwundert vor dem Hintergrund, dass die ECHA die Einstufung „Giftig für Wasserorganismen, mit langfristiger Wirkung“ lediglich bestätigt hat. Die Behörde hat keinerlei neue Einstufung vorgenommen. Alle Zulassungen für glyphosathaltige Pflanzenschutzmittel sehen entsprechende Anwendungsauflagen wie Mindestabstände zu Gewässern vor, so dass Schäden in der Umwelt vermieden werden.

„Im Hinblick auf die Alternativen, die ökonomisch, aber häufig auch ökologisch und gesundheitlich problematischer sind, sollte die Genehmigung verlängert werden. Gleichzeitig sollten jedoch die Einsatzgebiete drastisch eingeschränkt werden (keine Sikkation, Unterstützung von pflugloser Direkteinsaat nur auf erosionsgefährdeten Feldstücken), um die flächige Belastung und die potenzielle Belastung von Erntegut zu reduzieren.“

Novo-Argumente

Alternative: Pflügen

Mehr Kosten (500 Millionen Euro), mehr CO²-Ausstoß (500.000 Tonnen), mehr Bodenerosion, weniger Regenwürmer, weniger Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, weniger Artenvielfalt.

Die einzig akzeptable und zugleich sofort praktizierbare Alternative zu Glyphosat ist die mechanische Unkrautbekämpfung durch Bodenbearbeitung, zum Beispiel durch Umpflügen oder das maschinelle Ausreissen der Unkräuter. Doch das bedeutet für sehr viele Flächen mehr Arbeitsstunden und mehr Traktorfahrten. Eine Grobkalkulation habe ergeben, dass in Deutschland für eine mechanische Unkrautvernichtung in der Landwirtschaft pro Jahr 180 000 Tonnen mehr Diesel und 18 Millionen mehr Arbeitsstunden nötig wären, rechnet Gehring vor. Das wären 500 Millionen Euro zusätzliche Kosten jährlich – und 500 000 Tonnen mehr Kohlendioxid-Äquivalente.

Ein weiterer Nachteil ist, dass sich durch mehr Bodenbearbeitungen die Bodenqualität verschlechtern kann, vor allem wenn mehrfach mit schwerem Gerät über den Acker gefahren werden muss. In Hanglagen oder bei spezieller Bodenbeschaffenheit erhöht Pflügen zudem die Gefahr von Bodenerosion. Ohne Glyphosat müssten laut Experten auch pfluglose Anbaumethoden für Mais, Zuckerrüben oder Weizen wie Mulchsaat oder Direktsaat deutlich verändert werden. Denn dabei dient Glyphosat als Pflugersatz. Der Vorteil dieser nicht nur in der Schweiz und in Deutschland etablierten Anbaumethoden ist, dass sie den Boden schonen.

NZZ – Alternativen sind dünn gesät

In der ökologischen Landwirtschaft reguliert man den Beikrautdruck mechanisch. Vor der Aussaat wird gepflügt. Eine pfluglose Bewirtschaftung mittels Direktsaatverfahren wäre weitaus bodenschonender, die funktioniert aber im Moment eben nur mit entsprechenden Herbizidanwendungen praktikabel.

Mimikama

Bei diesen Ackerbausystemen wird auf den Pflug verzichtet, was enorme Vorteile für Bodenleben und -struktur mit sich bringt: u.a. mehr Regenwürmer, mehr Humus im Boden, mehr Biodiversität, bessere Wasseraufnahmefähigkeit des Bodens, weniger Erosion, weniger Treibstoffverbrauch und geringerer CO2-Ausstoß.

Es erscheint mir sinnvoll, bei der Diskussion um Herbizide und insbesondere um Glyphosat die Biodiversitätswirkung des gesamten Ackerbausystems zu betrachten und nicht nur die Wirkungen einzelner Maßnahmen. Bei einem direkten Vergleich schneiden Mulch- und Direktsaatsysteme sehr gut ab: Regenwürmer, Laufkäfer und Spinnen profitieren davon, dass Erntereste und anderes organisches Material an der Bodenoberfläche bleiben.

Novo-Argumente

Alternative: andere Herbizide

Andere Herbizide sind häufig deutlich schädlicher und weniger effizient.

Sollte Glyphosat nämlich nicht mehr verfügbar sein, so werden Landwirte voraussichtlich zur Bekämpfung von Unkräutern auf andere zugelassene Herbizide umsteigen. Doch diese seien für die Umwelt häufig deutlich schädlicher, betonen sowohl Christoph Schäfers, Ökotoxikologe am Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie in Schmallenberg, wie auch Klaus Gehring von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft. Diese Chemikalien seien nämlich toxischer für die Fauna. Zudem müsse man mehr davon einsetzen, weil sie weniger effizient seien als Glyphosat.

In diversen Forschungseinrichtungen werden daher neue, «harmlosere» Mittel erprobt. Aussichtsreichste Kandidaten sind derzeit organische Säuren wie Pelargonsäure oder Essigsäure, sogenannte Bioherbizide. Sie müssen aber wesentlich häufiger eingesetzt werden, da sie im Gegensatz zu Glyphosat nur die Blätter verbrennen, nicht aber die Wurzel absterben lassen. Ihr Einsatz ist damit um ein Vielfaches teurer. Ausserdem fehlen derzeit Systeme für die grossflächige Anwendung und vielerorts auch die Zulassung.

NZZ – Alternativen sind dünn gesät

Werbevideo für Beloukha :

Follow the money: Beloukha (FR/IT/BE) statt Roundup (US/DE)

Auch wenn Glyphosat von der EU noch weitere Jahre zugelassen wird, erlaubt das EU-Recht jedem Land, den Einsatz glyphosathaltiger Unkrautgifte auf dem eigenen Gebiet schlicht zu verbieten. Italien, Frankreich, Luxemburg und Belgien haben genau dies jetzt vor.

Franzosen und Italiener spüren eine goldene Chance im Glyphosat-Verbot

Ein Verbot würde heimischen Champions eine gute Gelegenheit geben, ihre Alternativen zu vermarkten.

Frankreich und Italien haben einen Plan B: ein natürlicheres Produkt, das Monsantos allgegenwärtiges auf Glyphosat basierendes Herbizid Roundup aus seiner beherrschenden Stellung in der europäischen Landwirtschaft zu verdrängen droht.

Politico.eu

Die folgenden Informationen stammen aus dem Artikel von Politico:

Europas Alternative zu Glyphosat basiert auf Pelargonsäure

Seit 2015 gibt es eine belgisch-französisch-italienische Zusammenarbeit in den chemischen Werken, die an einem Verbot von Glyphosat arbeiten, um die eigenen chemischen Unkrautvernichtungsmittel zu promoten, die bis zu 70% auf Pelargonsäure basieren.

Diese Chemieunternehmen feuerten auch die langwierige Debatte hinter den Kulissen an, ob Glyphosat für Mensch und Umwelt schädlich sei.

Zustimmung der Agrarlobby

Bevor Frankreich und Italien national Glyphosat verbieten konnten, benötigten sie die Zustimmung der landwirtschaftlichen Organisationen.

Die große französische Bauerngewerkschaft hat vor kurzem mit 40 anderen landwirtschaftlichen Organisationen ein Abkommen unterzeichnet, um die Verwendung von Glyphosat zu reduzieren und „Alternativen zum Schutz der Kulturpflanzen und zur Reaktion auf die Erwartungen der Gesellschaft“ anzunehmen.

In Italien hatte 2015 die international agierende Biochemiefirma Novamont mit der Dachorganisation für Bauerngenossenschaften, eine Vereinbarung getroffen, das Bio-Herbizid „Beloukha“ im ganzen Land zu verkaufen. Novamont, das Pelargonsäure produziert, hat eine exklusive Vertriebsvereinbarung für das Bio-Herbizid. Italiens führende Bauerngewerkschaft Coldiretti war einer der führenden Gegner von Glyphosat.

Pelargonsäure

Pelargonsäure ist eine natürlich vorkommenden Chemikalie, die in einer Vielzahl von Pflanzen vorkommt, insbesondere Disteln. Der Haupthersteller ist ein Unternehmen namens Jade mit Sitz in den Außenbezirken von Bordeaux, das eine exklusive Vertriebsvereinbarung mit Novamont (siehe vorherigen Absatz), einem italienischen Chemieunternehmen, abgeschlossen hat.

Pelargonsäure wird seit Jahren in Unkrautvernichtungsmittel verwendet, jedoch in sehr niedrigen Prozentsätzen. Monsantos Roundup besteht aus 2 Prozent der Substanz. Die neue Generation von Bio-Herbiziden in Italien und Frankreich enthält rund 70 Prozent. Eine Handvoll anderer europäischer Unternehmen produziert ebenfalls ähnliche Herbizide unter Verwendung von Pelargonsäure, jedoch mit geringeren Mengen.

Das italienischen Landwirtschaftsministerium für Pflanzenschutz sieht in Perlagonsäure ein wirksames Herbizid und Alternative zu Glyphosat. Es räumt zwar höhere Produktkosten als für Glyphosat ein, betont jedoch, dass die Einführung des Produkts im Einklang mit Italiens Versuch sein würde, „auf eine nachhaltige Landwirtschaft mit einem völlig anderen Ansatz hinzuarbeiten“. (Wieso anderer Ansatz? Herbizid bleibt Herbizid)

Europas Lebensmittel- und Chemikalienbehörden haben Pelargonsäure für den kommerziellen Gebrauch in der EU zugelassen, aber sie sollten mit einer Warnung versehen werden, dass sie ernsthafte Augenreizungen verursachen, das Leben im Wasser schädigen und Hautbeschwerden hervorrufen kann. (Ähnliche Gefährdungen wie bei Glyphosat)

Pestizid-Experten erkennen an, dass zwar Unkrautvernichter auf der Basis von Pelargonsäure nicht so wirksam wie Glyphosat sind – sie zerstören nicht die Wurzeln – die Herbizide jedoch als „natürliche“ Alternative angesehen werden. Ein Lobbyist, der an Chemikalien arbeitet, sagte, das Risiko bestehe darin, dass Unkräuter im Folgejahr nach der Behandlung zurückkehren würden, und witzelte, dass es nur für „Hobbygärtner“ geeignet sei.

pelargon

Glyphosat

Der Wirkmechanismus von Glyphosat ist bekannt: Es blockiert ein bestimmtes Enzym, das die Pflanzen zum Überleben brauchen. Wir Menschen haben dieses Enzym aber gar nicht – daher bringt Glyphosat das Unkraut um, lässt uns aber weitgehend in Ruhe.

Glyphosat ist ein Totalherbizid, es wird von Landwirten vor der Aussaat auf das Feld ausgebracht, um Unkraut zu vernichten, dass sonst die Qualität von Weizen, Gerste oder anderen angebauten Getreide- oder Gemüsesorten beeinträchtigen würde. Dass Glyphosat auf schon bestellte Felder gespritzt wird (im Fachjargon „Sikkation“ genannt), ist in Deutschland seit 2014 nur mit Sondergenehmigung erlaubt. Ebenso ist genmanipuliertes Saatgut, das immun gegen den Wirkstoff Glyphosat ist, in Deutschland verboten.

Die größte Diskussion beim Thema Glyphosat dreht sich um die Frage, ob das Herbizid krebserregend und somit gefährlich für den Menschen ist, oder nicht.

Nicht nur Glyphosat, auch Sonnenstrahlen, rotes Fleisch und der Beruf des Friseurs stuft das Institut als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. BfR und EFSA fragen: Wie groß ist das tatsächliche Risiko, dass jemand durch Glyphosat Krebs bekommt? Hier kommt es natürlich darauf an, welchen Mengen Menschen tatsächlich ausgesetzt sind. Beide kommen zu dem Ergebnis, dass die Mengen, um die es wirklich geht, keine realistische Gefahr darstellen.

Handelsblatt: „Auf Kosten der Sorge von Menschen Stimmung betreiben“

Ist Glyphosat krebserregend? Nein!

Der Unkrautvernichter Glyphopsat ist nicht krebserregend, sagt Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR)

Die Wissenschaft sei sich da einig. Aber bestimmten politische Kreisen passe das nicht.

Alle Zulassungsbehörden der Welt kommen zum selben Schluss wie wir, dass nämlich Glyphosat nicht krebserregend ist. Auch die zuständige Behörde der WHO – das JMPR –, die EU-Behörde für Lebensmittelsicherheit EFSA und die europäische Chemiekalienagentur ECHA sehen das so. Glyphosat ist seit 40 Jahren auf dem Markt. Es ist eine der am besten untersuchten Substanzen der Welt, es ist das wichtigste Pflanzenschutzmittel. Und erst kürzlich ist eine neue Studie aus den USA mit zehntausenden Probanden aus der Landwirtschaft erschienen, die zum selben Ergebnis kommt.

Die Bio-Landwirtschaft kommt ja auch nicht ohne chemische Spritzmittel aus, allerdings sagt sie, dass das nur Stoffe sind, die auch in der Natur vorkommen. Wir Wissenschaftler können mit einer solchen Unterscheidung der Chemie aber nicht viel anfangen. Wirkung ist Wirkung und Substanz ist Substanz.

Wir machen im Jahr rund 3000 Risikobewertungen und nur bei zweien gibt es Ärger: bei Glyphosat und der Gentechnik.

Die Leute haben Angst vor der Chemie in der Nahrung, aber tatsächlich krank werden sie von Bakterien, Pilzen oder Viren im Essen.

Tagesspiegel Interview mit dem Präsidenten des BfR

Ungeklärte Gesundheits-Risiken sollten durch die Einstufung der Europäischen Chemikalienagentur ECHA inzwischen ausgeräumt sein. Im März meldete die Einrichtung, dass Glyphosat weder als krebserregend noch als reproduktionstoxisch einzustufen sei.

Novo-Argumente

Vergleich Glyphosat mit Pelargonsäure

Will man Glyhphosat mit Pelargonsäure oder „Roundup“ mit dem italienisch-französischem „Beloukha“ vergleichen, so lohnt ein Blick in die Sicherheitsdatenblätter:

Sicherheitsdatenblatt für Roundup® REKORD von Monsanto

Sicherheitsdatenblatt für Roundup® PowerFlex von Monsanto

Sicherheitsdatenblatt für Beloukha von Novamento/Jade/Belchim

GHS05-100
GHS05

2. MÖGLICHE GEFAHREN

Während die beiden Roundups nicht als gefährlich eingestuft werden, muss das Beloukha mit dem Gefahrsymbol GHS05 gekennzeichnet werden und den Gefahrhinweisen nach CLP:
H315 – Verursacht Hautreizungen
H318 – Verursacht schwere Augenschäden

11. ANGABEN ZUR TOXIKOLOGIE

Um auszudrücken, wie giftig eine Substanz ist, gibt man oft die letale Dosis LD50 an. Das ist jene Menge der Substanz, die man Tieren oder Menschen pro Kilogramm ihres Körpergewichts zuführen muss, sodass die Hälfte von ihnen stirbt. In Versuchen mit Ratten braucht man dafür ca 5 Gramm Glyphosat pro Kilogramm Rattengewicht – das ist ziemlich viel. Glyphosat ist also nicht besonders giftig, die akute Toxizität von Kochsalz ist höher als die von Glyphosat.

Die Werte für „LD50 oral-Ratte“ laut Datensicherheitsblätter:

Beloukha  > 2000 mg/kg
Pelargonsäure  > 5000 mg/kg
Roundup® PowerFlex  > 2000 mg/kg
Roundup® REKORD > 5000 mg/kg

Für jedes Pflanzenschutzmittel muss man bewerten, wie es sich auf andere Organismen auswirkt, die nicht Ziel der Maßnahme sind, ob es für diese womöglich auch toxisch ist, ob es Nebeneffekte gibt. Ebenfalls versucht man verschiedene andere Aspekte zu berücksichtigen, um sich ein Bild davon machen zu können, wie sich der Stoff in der Umwelt verhält. Ist er biologisch abbaubar und wie schnell oder ist er eher langlebig? Ist er wasserlöslich? Ist er sehr mobil oder verbleibt er im Wesentlichen am Ort der Ausbringung?

Glyphosat macht sich da überwiegend gut. Es ist relativ gut biologisch abbaubar, hat eine geringe Mobilität, ist gut wasserlöslich und weist eine geringe Toxizität gegenüber Tieren auf.

Pestizide allgemein gibt es auch im Bioanbau. Durch Einhaltung bestimmter Fruchtfolgen oder durch Einsatz mechanischer Fallen oder von Nützlingen ist der Schädlingsdruck allgemein niedriger. Als Ultima Ratio kommen jedoch auch hier Pestizide zum Einsatz, nur eben „natürliche“, wie etwa Kupfersulfat, bestimmte Pflanzengifte oder Mineralöle (vgl. Anhang 2 der Durchführungsbestimmung (EG) Nr. 889/2008 zur EG-Öko-Verrordnung, S. 123 ff.).

„Natürlich“ heißt hier aber nicht, dass sie nicht weniger problematisch für die Umwelt oder den Mensch sind, im Gegenteil, viele der dort zulässigen Pestizide sind weit langlebiger, schlecht bis kaum wasserlöslich und wirken weitaus unspezifischer (d. h. erfassen also weit mehr Lebewesen als nur die beabsichtigten Zielorganismen).

Mimikama

Die Dosis macht das Gift (nicht die Herkunft)

Egal ob natürlichen Ursprungs (Kochsalz, Alkohol, Chrysathemen und Disteln) oder aus dem Chemie-Labor: auch wenn Bio drauf steht, können Organismen am Einsatz sterben. Daher ist es so wichtig, das ungefährlichste Mittel zu wählen – egal, wo es herstammt – und den Einsatz auf das Notwendigste zu reduzieren.

Vor künstlich hergestellten Substanzen haben viele Leute Angst – manchmal durchaus zu Recht. Stoffen, die aus der Natur kommen, wird mehr Vertrauen entgegengebracht.

Das mag einleuchtend klingen, ist aber ein Fehlschluss. Viele der giftigsten Substanzen, die wir heute kennen, stammen aus der Natur. Vieles, was unsere Chemiefabriken in Kanistern mit kompliziert klingender Aufschrift verlässt, ist hingegen völlig harmlos.

Künstliches als gefährlich und Natürliches als gesund zu betrachten ist wissenschaftlich unhaltbar – so einfach ist es nicht.

Auch Pflanzenschutzmittel, die als natürlich angepriesen werden, bringen Ratten im Tierversuch bereits in geringeren Mengen um als Glyphosat: Die letale Dosis von Kupfersulphat, das in der Bio-Landwirtschaft verwendet werden darf, ist deutlich geringer als die des gefürchteten Unkrautvernichtungsmittels von Monsanto.

Dasselbe gilt für die völlig natürlichen Pyrethrine, die man aus der Chrysantheme gewinnt: Die Ratten werden mit einem reinen Naturprodukt gefüttert, mit Bio-Gütesiegel – aber das nützt ihnen wenig, am Ende sind sie trotzdem tot.

Wer also ein Glyphosat-Verbot verlangt, der muss auch ganz klar sagen, was er stattdessen verwenden möchte. Aus Angst vor Glyphosat auf andere, schädlichere Substanzen umzusteigen, nur weil man auf sie ein Bio-Etikett kleben kann, ist Unfug.

Umweltschutz heißt, die umweltfreundlichsten Substanzen zu verwenden, und gefährliche Stoffe zu vermeiden. Ob diese Stoffe künstlich hergestellt oder natürlich erzeugt wurden, sollte keine Rolle spielen.

Wenn man irgendeine schädliche Chemikalie in der Muttermilch, im Frischgemüse oder in meinem Daumennagel findet, dann ist das zunächst kein Grund zur Beunruhigung, sondern möglicherweise bloß ein Beweis für die bewundernswerte Messgenauigkeit der analytischen Chemie. Die Dosis macht das Gift.

Die böse Chemie

giftstoffe

Das natürliche THC, der psychoaktive Wirkstoff von Cannabis, für dessen Entkriminalisierung die Grünen kämpfen, ist. 80 mal schädlicher als Glyphosat. Auch das chemisch hergestellte Kupfersulfat, für dessen Zulassung die Grünen ebenfalls kämpfen, ist 90 mal toxischer als Glyphosat. Gleiches gilt für das chemisch hergestellte Kaliumphosponat, für das die Grünen eine Zulassung als Fungizid im Ökolandbau fordern.

Angaben zur Toxikologie aus den Datensicherheitsblättern

Pyrethrine (Bio aus Chrysathemen): 570 – 1500 mg/kg
Kupfersulfat (Bio-Chemie): 960 mg/kg
Kaliumphosphonat (Chemie): 5000 mg/kg

Warum der Kreuzzug gegen Glyphosat?

Glyphosat wurde ausgewählt, weil es aus zwei Gründen verhasst ist und zur Polarisierung taugt.

Erstens wird es von Monsanto hergestellt, einem amerikanischen (!) Unternehmen, das viele als das personifizierte Böse ansehen, und zweitens wird es in vielen Ländern in Kombination mit Gentechnik angewandt.

Gentechnisch gezüchtete Soja oder Baumwolle enthalten daher immer Spuren von Glyphosat (die Analytik kann inzwischen ein Roggenkorn in einem 40.000 km langen Güterzug mit Weizen finden). Würde Glyphosat in der EU verboten, dürfte auch keine Gentechnik-Baumwolle und kein Viehfutter aus Gentechnik-Sojabohnen mehr importiert werden.

https://www.salonkolumnisten.com/glyphoshima/

Der Hass auf Gentechnik und Monsanto führt dazu,
dass die Gegner völlig übertreiben.

Das Handelsblatt hat sich das Anti-Glyphosat-Video der Grünen genauer angeschaut, das zu 100% mit Fake-News arbeitet:

Die Grünen kämpfen schon seit Jahren für ein Verbot des Unkrautkillers Glyphosat. Jetzt gehen sie in einem Video auf ihrer Facebook-Seite wohl einen Schritt zu weit. Falsche Bilder sorgen für Aufruhr im Netz.

Wer das Video der Grünen zum Thema Glyphosat sieht, muss meinen, auf deutschen Äckern wird mit für Mensch, Tier und Umwelt hochgiftigen Mitteln gearbeitet. Dabei scheint die Ökopartei es diesmal mit den Fakten nicht ganz so genau zu nehmen.

Das erste Bild zeigt einen Mann im Schutzanzug, der ein Pflanzenschutzmittel auf Weinreben spritzt.

Enthielte die Substanz in dem Behälter tatsächlich Glyphosat, würde der Wein allerdings sofort absterben.  Dass Glyphosat auf schon bestellte Felder gespritzt wird (im Fachjargon „Sikkation“ genannt), ist in Deutschland seit 2014 nicht mehr erlaubt (Anm. nur mit Sondergenehmigung und Kontrolle erlaubt).  Ebenso ist genmanipuliertes Saatgut, das immun gegen den Wirkstoff Glyphosat ist, in Deutschland verboten.

Auf dem zweiten Bild im Video ist ein toter Frosch zu sehen.

Immer wieder gerät der Unkrautvernichter in den Verruf, für das Insektensterben verantwortlich zu sein. Für Tiere ist er allerdings nicht tödlich. Richtig ist: Glyphosat vernichtet auch Kräuter und Pflanzen, von denen sich Insekten ernähren könnten. Trotzdem kann man schlecht Glyphosat die Schuld am Insektensterben geben, denn Landwirte würden Unkraut sonst eben auf andere Art entfernen. Zum Beispiel durch pflügen oder grubbern. Entscheidend ist eher, dass Insekten insgesamt zu wenig Nahrung in der Landschaft finden – immer weniger Grün, immer weniger Ackerrandstreifen und immer weniger wilde Blüten oder Flächenversiegelung sind Gründe.

Das dritte und letzte Bild zeigt ein bestelltes Feld und ein Warnschild mit einem Totenkopf.

Dazu heißt es in dem Video: „Dann gelangt es (Glyphosat, Anm. d. Red.) in unsere Gewässer und belastet unser Essen.“ Die größte Diskussion beim Thema Glyphosat dreht sich um die Frage, ob das Herbizid krebserregend und somit gefährlich für den Menschen ist, oder nicht. Die Internationale Krebsforschungsagentur IARC – eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation WHO – stuft Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) ebenso wie die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) kommen zum Ergebnis, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht.

Handelsblatt: „Auf Kosten der Sorge von Menschen Stimmung betreiben“

Zwei-Klassen-Chemie

Umweltschützer, Biobauern und Grüne engagieren sich derzeit sehr stark in Sachen Pflanzenschutz. Während sie gegen Glyphosat auf die Straße gehen und die EU-Kommission für ihre Entscheidung, die Zulassung von Glyphosat zu verlängern, heftig kritisieren, fordern sie von derselben Kommission die Zulassung von Kaliumphosphonat als Mittel gegen Pilzerkrankungen im Ökolandbau.

Grüne Ministerinnen genehmigten in diesem Sommer sogar Großversuche mit diesem Fungizid. Hintergrund dieser Aktion ist die Entscheidung der EU, das Kaliumphosphonat im Rahmen der EU-Ökoverordnung von der Liste der zugelassenen Pflanzenschutzmittel zu entfernen. Seit 2013 ist der Einsatz des Mittels Biobauern in allen EU-Mitgliedsstaaten verboten. So kam es in diesem Jahr im Biolandbau zu extremen Ernteausfällen bei Gurken, Wein, Kartoffeln und anderen Pflanzen.

Bemerkenswert an der Debatte ist: Beide Substanzen gehören zu den Phosphonaten; beide kommen in der Natur nicht vor, und beide stammen aus den Syntheselabors der Chemieindustrie. Jetzt sind erhebliche Anstrengungen nötig, um das Kaliumphosphonat von einem anderen synthetischen Phosphonat abzugrenzen: dem Glyphosat, dem Molekül gewordenen Symbol für alles, was Ökoanhängern verdammenswert erscheint.

Glyphosat, Fosetyl-Al und Kaliumphosphonat greifen tief in den Stoffwechseln von Pflanzen ein und werden von den Pflanzen nicht abgebaut, so dass Rückstände in die Umwelt und in die Nahrung geraten können. Für die genannten Phosphonate gilt allerdings auch, dass ihre Giftigkeit für Mensch und Tier sehr gering ist.

Was nicht für alle gilt: die Sympathie von Umweltschützern.

Beim wesentlich besser untersuchten Glyphosat (oder sollte man sagen „Glycinphosphonat“?) wurde 2015 unter dubiosen Umständen der Verdacht geäußert, es könne bei Menschen, die beruflichen Umgang mit Glyphosat haben, ein leicht erhöhtes Risiko für gewisse Formen von Blutkrebs geben. Inzwischen sind renommierte Institutionen wie die WHO/FAO und die US-Umweltbehörde EPA auf breiterer Informationsbasis zu anderen Auffassungen gekommen. Dennoch werden Aktivisten nicht müde, nach dem Totalverbot von Glyphosat zu rufen („Krebs!!“, „Vorsorgeprinzip!“, „Lebensgefahr!“). Der grüne Bundestagsabgeordnete Harald Ebner verstieg sich gar zu der Bezeichnung „Merkelgift“.

Beim wesentlich schlechter untersuchten „Kalphosat“ hingegen betrieben die grünen Umwelt- und Agraministerinnen Priska Hinz und Ulrike Höfken in Brüssel Lobbyarbeit für das Chemieprodukt und ermutigten Ökobauern in Hessen und Rheinland-Pfalz 2016 sogar zur Nutzung des Fungizids zur Rettung ihrer Ernte. Sie richteten dazu „Großversuche“ mit Ausnahmegenehmigungen ein (wobei allerdings nicht klar ist, ob die EU diese nachträglich genehmigt). Auch andere grüne Politiker, Umweltschützer und Ökolandbauverbände fordern die Wiederzulassung des „Hinz“- bzw. „Höfken“-Gifts – schließlich soll der Ökolandbau sein einzig wirksames systemisch wirkendes Pestizid nicht verlieren.

Die Forderung „solange nicht zweifelsfrei erwiesen ist, dass Glyphosat gesundheitlich unbedenklich ist, muss das Vorsorgeprinzip greifen“ und Glyphosat verboten werden, wird für Kaliumphosphonat offenbar nicht erhoben.

Zwei-Klassen-Chemie

Weitere Infos:

Tagesschau-Kommentar:  Deutsches Ja zu GlyphosatÜberraschend, vernünftig, überfällig

Spiegel: Was spricht für Glyphosat, was dagegen?

Reuters: Merkel – Union wird in EU für weitere Glyphosat-Nutzung kämpfen

Welt: GLYPHOSAT-STREIT: Auch Barbara Hendricks griff in die Trickkiste

Agrar-Heute: Glyphosat im Getreide: Das sind die Regeln

Mein Fazit

Auch ich wünsche mir eine pestizidfreie, artenvielfalt-fördernde Landwirtschaft.

Ich habe selber einen Garten und wir (mein Ehemann und ich) benutzen kein Roundup und auch sehr selten Fungizide. Doch wir leben nicht vom Ertrag des Gartens – der ist reines Hobby. Bei uns verschwinden einfach die Pflanzen, die viele Schädlinge anlocken. Bei uns sprießt auch das Unkraut in den Fugen der Terrasse und des Gehwegs. Wir können sehr gut mit einem Verbot von Glyphosat für Privatanwender leben, weil wir eh seit über 10 Jahren Unkraut jäten statt es chemisch zu bekämpfen. Aber wir sind „Hobby-Gärtner“, keine Landwirte.

Ein Landwirt hingegen muss von seiner Ernte leben.

Vor 100 Jahren mussten die Bauernkinder (und andere) Frondienste auf den Feldern leisten: Unkraut jäten, Kartoffelkäfer entfernen etc.

Vor 100 Jahren galt Deutschland noch als Agrarstaat. In der Landwirtschaft arbeiteten rund 38 Prozent aller Erwerbstätigen und erwirtschafteten so einen Anteil von knapp 30 Prozent an der gesamten Bruttowertschöpfung des Staates. Ein Landwirt erzeugte um 1900 mit seiner Arbeit aber nur Nahrungsmittel für etwa vier Menschen.

1950 konnte ein Bauer bereits zehn und nur weitere zehn Jahre später bereits 17 Menschen mit seiner Arbeit „satt machen“. In den darauffolgenden Jahren nahm die Produktivität in der Landwirtschaft immer weiter zu. 1980 konnte ein Landwirt bereits so viele Nahrungsmittel produzieren, dass er 47 Personen ernähren konnte. Bis zum Jahr 2000 stieg diese Zahl auf 127. Heute kann ein Landwirt rein rechnerisch sogar 155 Personen ernähren.

landwirtschaft

Wenn ich bezahlbare Lebensmittel wünsche und dagegen bin, dass Hartz-IV Bezieher und andere Menschen, die Transfergelder beziehen, aus Feldern wie Sklaven Unkraut jäten oder Schädlinge einsammeln müssen, dann kann ich nicht gegen den Einsatz aller Pestizide, zu denen Herbizide wie Glyphosat, aber auch Fungizide wie Kupfersulfat zählen, sein.

Dann kann ich höchstens verlangen, dass

  1. nach anderen Methoden geforscht wird und
  2. die Einsätze auf das aktuell Mindest-Notwendige beschränkt werden.

Erfreulicherweise werden beide Forderungen umgesetzt. Es passiert sowohl viel in der Forschung als auch in der Kontrolle beim Pestizid-Einsatz in Deutschland (und hoffentlich auch in der EU, wenn auch weniger bei Importen).

Sehr interessant finde ich persönlich auch die Aquaponik, von der mir mein Sohn berichtet hat. Aber solche Projekte funktionieren nur lokal per „Try&Error“, nicht mit Zentralplänen der EU, weil diese bewunderungswürdigenen Start-Up Unternehmen im Gegensatz zu Monsanto, Jade, Novamento und Belchim keine Wirtschaftslobby in nationalen Parlamenten oder Brüssel haben:

Aquaponik, das ist die Kombination von Aquakultur und Hydroponik, der Pflanzenzucht im Wasser. Konkret kann das so aussehen wie bei der Berliner Firma Efficient City Farming, kurz ECF: unten ein Überseecontainer, in dem die Fische in Wassertanks schwimmen, darauf ein Gewächshaus, in dem das Gemüse in Hydrokultur gedeiht. Durch einen fast geschlossenen Wasserkreislauf sind beide Teile miteinander verbunden. Was die Fische ausscheiden, gelangt als Dünger zu den Tomaten im Stockwerk darüber. Die Pflanzen reinigen das Abwasser aus der Fischzucht, indem sie den Dünger aufnehmen, und so ist der Kreislauf hergestellt.

NTV: Frischfisch vom Dach: Aquaponik macht die Stadt zur Farm

Ich bin seit einigen Jahren mit diversen Bauern auf Facebook verknüpft, von Bauer Willi über Katrin Seeger, von Markus Höltkötter bis Brigitta Blume.

Viele von ihnen sind aktiv bei „Wir machen uns satt“ und auch bei „Initiative Tierwohl“.

Auch wenn – wie immer – einige manche Aktivitäten der anderen kritisieren, merke ich beim Thema Glyphosat eine ziemlich einstimmige Übereinstimmung: es ist einfach in der Anwendung, preiswert bei der Ausbringung und effektiv. Auch erlauben die Agrar-Subventionen der EU wenig Spielraum, was Artenvielfalt fördern würde oder veränderte Fruchtfolgen.

Wenn wir einen Buhmann suchen wollen, ist das definitiv nicht der von Agrar-Bestimmungen abhängige Landwirt oder deren Verbände (wobei ich Argwohn habe, ob die französischen und italienischen Verbandsvorstände aktuell nicht doch „erkauft“ wurden).

Wie immer finde ich anhand der Intrigen von Jade/Novamento/Belchim das alte Sprichwort „Follow the money“. Auch wenn aktuell des öfteren die NGOs (Avaaz, Campact, Greenpeace & Co) das Sagen haben, sind doch häufig über verschlungen Kreise die internationalen Machtspieler am Drücker. Die „Guten“ merken es nur nicht, dass sie missbraucht werden.

Von daher bin ich dieses Mal mit dem PAN Aktivisten auf einer Linie: das Glyphosat-Verbot ist kein Verbot von Pestziden, sondern nur ein Verbot von Pestiziden, die aus US/DE-Herstellung (-Besitz) stammen, sofern der Deal zwischen Bayer und Monsanto Realität wird.

20 Gedanken zu “Glyphosat: Follow the money

  1. danke Katja,
    ich hatte schon immer den Verdacht dass es bei der Glyphostat-Hysterie nur ums Geld ging.
    Die Aussage „kann Krebs erzeugen“ gibt einem denkenden Menschen schon das Gefühl
    dass da Meinungsmache in gange ist.
    Die Cheimie Fabriken in I/F und B wollen doch nur ihre eigenene Produkte, die schlechter sind als Glyphostat, verkaufen!!!

    Gruß Frank-M.

  2. Stimmt, ein Verbot von Glyphosat würde nicht dazu führen, daß die Fungizide, Herbizide und Pestizide von unseren Feldern verschwinden, wäre also wohl ziemlich sinnlos.

    Ich hätte da einen anderen Vorschlag für Deutschland. Die Deutschen zahlen die höchsten Steuern der Welt. Für was eigentlich? Um den Euro zu retten? Für eine sinnlose Energiewende? Oder um sich Gäste aus aller Herren Länder einzuladen, die dann in Deutschland lebenslang Party feiern dürfen?

    Daher: Wir senken endlich die Steuern massiv und geben dann die frei werdenden finanziellen Mittel für sinnvolle Zwecke aus, z.B. Nahrungsmittel, die natürlich und ohne maximalen Kostendruck erzeugt wurden. Die kosten dann natürlich mehr, aber das könnten wir uns in Wirklichkeit ja auch leisten. Es wäre alles so einfach.

  3. Da hat Katja ja mal wieder ordentlich recherchiert und mir so manche Info gegeben, die ich vorher nicht hatte. DANKE DAFUER!!!
    Es ist wie so oft: Mal hinter die Kulissen geschaut, und schon kommen Aspekte zum Vorschein, die das Ganze in einem anderen Licht erscheinen lassen. Die Querverweise helfen, sich eine eigene, objektive(re?) und fundierte(re?) Meinung zu bilden.
    Dem Fazit kann ich nur zustimmen. Mir selbst ist klar geworden, dass ich oft sehr schnell mit zu wenig Hintergrundwissen meine Meinung „festklopfe“. Ist vielleicht eine Folge des Alters…

  4. Die Entscheidung des IARC, Glyphosat als „wahrscheinlich krebserregend für den Menschen“ einzustufen, ist wissenschaftlich fundiert. Die Entscheidungsprozesse sind transparent und nachvollziehbar (und im Übrigen für jedermann hier detailliert nachzulesen: http://monographs.iarc.fr/ENG/Monographs/vol112/mono112-10.pdf ).

    Der (zumindest indirekte) Vorwurf, die an der Entscheidung beteiligten Wissenschaftler hätten ein kommerzielles Interesse an einem Verbot von Glyphosat, ist völlig substanzlos. Das bewegt sich in etwa auf dem Niveau, hinter jeder Forderung nach einem liberaleren Waffenrecht gleich die „mächtige Waffen- und Rüstungslobby“ zu wittern.

    Doch spätestens der Vergleich von Glyphosat mit irgendwelchen THC-Derivaten verbietet sich ja wohl vollends: Glyphosat wird von Seiten der Wissenschaft ja eben nicht seine Toxizität, sondern seine wahrscheinliche (so fair möchte ich sein) Kanzerogenität zum Vorwurf gemacht. Im Gegensatz dazu gibt es sogar deutliche Hinweise darauf, dass bestimmte Cannabinoide geeignet sind, das Wachstum bestimmter Tumorarten mindestens zu hemmen (vgl. Duntsch, C. u.a.: Safety and efficacy of a novel cannabinoid chemotherapeutic, KM-233, for the treatment of high-grade glioma, aus: Journal of Neuro-Oncology (2006) 77; Springer 2005).

    Zum Abschluss meiner so ernst geratenen Ausführungen, hier noch ‚was zum Lachen: https://www.youtube.com/watch?v=ovKw6YjqSfM

  5. Wenn man schon mittlerweile im Urin der Bevölkerung Glyphosat feststellt, so grenzt das für mich an vorsätzlicher Körperverletzung und erfüllt einen Straftatbestand! Dabei geht es gar nicht mehr darum, ob es Krebserregend ist oder nicht. Wenn die Landwirtschaft die Bevölkerung systematisch vergiftet und die Politik die Hersteller und Vertreiber des Giftes unter staatlichen Schutz stellt, dann wird es hoch kriminell. Diese Katja schreibt einfach nur Blödsinn und wenn man weiß auf welcher Seite sie steht (https://german-rifle-association.de/team/) dann wird einem schnell klar, wen man die Steigbügel halten will – Lobbyisten.

    • Wenn das Engagement „politisch korrekt“ ist, benennt man es „Bürgerinitiative“. Wenn es „politisch inkorrekt“ ist, benennt man es „Lobbyismus“.

      Dabei wird verkannt, dass einige BIs „Kunstrasengesellschaften“ sind. Die haben fest angestellte Mitarbeiter, die von Stiftungen, Milliardären, Steuern bezahlt werden; wogegen z.B. bei der German Rifle Association nur ehrenamtliche Leute arbeiten und es keine Kohle von der Industrie, und erst recht nicht vom Staat gibt.

      Zum Weiterlesen: https://firearms-united.com/de/intense-lobbying-firearms-united/

  6. Zunächst einmal: Sauber recherchiert und bis auf die biologische Wirkung von Glyphosat (G.) für mich nachvollziehbar. Deine These lautet: G. ist nicht gesund, aber gesünder als die anderen Pestizide u. wir kommen an einer Verwendung von Pestiziden nicht vorbei. Ähnlich sieht Deine (ich nehme mir das Du mal heraus, Trolli) Verknüpfung zwischen dem Landwirt (den es in Deutschland kaum noch gibt) u. seiner finanziellen Überlebensstrategie aus. Ein Totschlagargument, welches nahezu in allen ökologischen Themen angebracht wird. Was ist mit den Arbeitsplätzen in der Braunkohle? Wie verhält es sich mit den Arbeitsplätzen in der Chemieindustrie, in den Waffenschmieden usw..? Ich stelle die Frage: Können wir uns die nächsten 50 Jahre diese Frage weltweit leisten? Ist nicht der Punkt gekommen, an dem wir uns eingestehen müssen: Wenn wir in dieser Art weltweit weiter argumentieren, gehen dann nicht die Lichter aus? Du gehst über die Gen – Frage quasi mit einem Galopp drüber hinweg. Fakt ist, Deutschland ist ein Agrar – Zwerg und im Gegenzuge ein Chemie – Riese. Nach und nach findet eine Verlagerung der Anbaustätten nach Ost – Europa statt. Der Ausverkauf von Rumänien hat bereits begonnen. Dort findet dann auch der Einsatz von G. statt. Es ist nun wahrlich kein Geheimnis, dass Monsanto Gen – Patente besitzt, die Abhängigkeiten herstellen. In Folge dessen wird es immer mehr zu einem Monopol kommen und ein Konzern bestimmt, was in welcher Form und Menge angebaut wird. Dies aber nicht nur in unserem kleinen Europa. Global betrachtet ohne Grund, national gesehen, vielleicht sinnvoll. Würden wir die produzierte Biomasse auf diesem Planeten gerecht umverteilen, gäbe es kein Ernährungsproblem. Da meldet sich selbstverständlich sofort der Realpolitiker und sagt: „Diese globale Umverteilung wird nicht passieren, dazu mangelt es dem Menschen einfach an der Vernunft!“ Auch wieder eine korrekte Aussage. Doch der „Natur“ ist diese Unvernunft vollkommen egal. Bei der G. Diskussion blinzelt wieder einmal etwas um die Ecke: „Gewinnmaximierung!“ u. wie Du selbst schreibst: Die Leute sind – noch – nicht dazu bereit, den höheren Preis zu bezahlen. Verstehe ich das richtig, dass auch Du den Punkt am Horizont erahnst, an dem die Leute bereit sein werden, mehr zu bezahlen? Aber wofür sollen sie dann noch zahlen? Dann ist der Zug abgefahren. Es ist auch nicht der Fall, dass die maximierten Erträge der Ernährung von Menschen dienen. Nur ein geringer Teil wird unmittelbar als Lebensmittel verwendet. Vieles landet in der Industrie und in der Massentierhaltung – wo sich die nächsten Problemfelder eröffnen.
    Wie es immer die Jäher so treffend ausdrücken: „Das ist eine dichtbesiedelte von Menschen gestaltete Kulturlandschaft, da haben Wildtiere und Natur nur noch begrenzt Platz.“ Scheinbar soll dieses nach und nach für den gesamten Globus gelten. Abschließend eine polemische Frage: Wenn das Zeug harmlos ist, warum verwendest Du es denn nicht auch im Garten? Roundup kann doch frei im Baumarkt erworben werden. Oder kommt es Dir nicht in den eigenen Garten – weil Du es vielleicht doch mit einer gewissen Rest – Skepsis betrachtest? Du und ich, werden realistisch betrachtet, die volle Wucht dieser Entscheidungen nicht mehr zu spüren bekommen, bei den Kindern bin ich mir nicht sicher. Unsere Generation hat es dann zu verantworten – aber was interessiert es mich, wenn ich kalt und steif als Sondermüll in der Gegend herum liege.

    • Die Leute sind – noch – nicht dazu bereit, den höheren Preis zu bezahlen. Verstehe ich das richtig, dass auch Du den Punkt am Horizont erahnst, an dem die Leute bereit sein werden, mehr zu bezahlen?

      Nein, an diesem Punkt bin ich selber nicht. Wir werden so ein Verbot nicht weltweit durchsetzen können, sondern nur national oder innerhalb der EU. Dann kommen halt die billigeren Lebensmittel aus Drittstaaten. Deutschland hat – im Gegensatz zu Frankreich und Italien – eine Discountermentalität. In Italien und Frankreich gibt es wesentlich weniger Discounter, gibt es wesentlich mehr Co-Op-Läden, wo die Produkte der lokalen Bauerngewerkschaft verkauft werden. Hier zählt für die Allermeisten nur der Preis.

      Da ich selber nicht in Bioläden einkaufe, gehöre ich nicht zu der Minderheit, die für gute Lebensmittel einen höheren Preis zahlt.

      Wenn das Zeug harmlos ist, warum verwendest Du es denn nicht auch im Garten? Roundup kann doch frei im Baumarkt erworben werden.

      In Berlin ist es für Hobbygärtner verboten, in Brandenburg nicht. Warum ich es nicht verwende? Habe ich oben beschrieben: wir haben einen „Luxusgarten“, wo wir uns nur an der Ansicht der Pflanzen freuen und der Tiere, die bei uns leben oder uns besuchen (Igel, Vögel, Eichhörnchen, Frösche etc.). Wir sind zudem faul, was Dünger und Pflanzenschutzmittel angeht. Wenn Pflanzen bei uns eingehen, kaufen wir andere Pflanzensorten, die weniger anfällig sind.

    • Wenn wir über die Verantwortung von Generationen reden wollen, dann sollten wir die letzte Glyphopanik nicht ganz außer Acht lassen.

      1. Was hätte es gebraucht? Objektive Sach- und Fachinformationen ohne Geifer vor Hirn und Mund. Man hätte sich Fachleute anhören können. man hätte die Betroffenen zu Wort kommen lassen müssen – Landwirte und deren Verbände. Vielleicht eine intensive Diskussion darüber, wie wir Landwirtschaft in Zukunft betreiben wollen. Und wie lange es sinnvollerweise dauern darf dahin zu kommen.

      2. Und was ist tatsächlich passiert?

      Zunächst
      a. Faktenfreie Berichterstattung in den Medien
      b. selbstverstärkende Panikwellen in den Echokammern der Sozialen Medien
      c. wichtiger Erregungspunkt: ein Mann hat eine Frau ignoriert
      d. Parteiengeplänkel
      e. Fachleute, wie Betroffene ignoriert

      Dann hat es ein bisschen gedauert und siehe da
      f. mehrmals die Forderung man müsste Wissenschaft durch demokratische Abstimmung ersetzen
      g. einer ganzen Reihe linker Medien fällt dann doch auch noch was auf
      h. das interessiert zu dem Zeitpunkt aber niemand mehr. Zeigt sich u.a. darin, dass die Petitionen „hängt den Landwirtschaftsminister am nächsten Lampenmasten auf“ nicht abreißen.

      Und ich frage mich, wie sollen wir unseren Enkeln diese Entwicklung erklären? Alles was wir jemals als sinnvoll für eine produktive Diskussion erlernt haben – über Bord geworfen. Die Entwicklung, dass Journalisten ihr Berufsethos vergessen haben konnte schon länger beobachtet werden. Reaktionen in social media die nur den Schluss zulassen, dass weite Kreise der Deutschen den Kampagnen der Linken (z.B. Monsanto-Bashing, gegen grüne Gentechnik [rote ist scheinbar ok], sozialistische Umerziehung der Bauern) aufgesessen sind und scheinbar zunehmend verblöden – wie soll man das jemals erklären?

      • Nur eines dazu: Es erfüllt einem beinahe mit bitterem Amüsement, wenn Schafe fröhlich blökend zur Schlachtbank traben. „Am Ende auf den ganzen Schlamassel einen Grabstein mit der Inschrift: Menschheit Du hattest von Anfang an nicht das Zeug dazu.“ Charles Bukowski

  7. Danke für die ausführliche Information, die in dem recherchierten Umfang sonst nicht zu finden ist. Der Bericht ändert meine Einstellung zu Glyphosat, so wie sich meine Einstellung zu den meisten politischen Themen geändert hat. Fernseher aus, Zeitung am Kiosk lassen und im Netz recherchieren. Wir werden in einem unglaublichem Ausmaß für dumm verkauft.

  8. Danke für den gut recherchierten Artikel. Als aktiver Bio-Landwirt mit pragmatischer Ausrichtung wünsche ich mir den Erhalt von Glyphosat. Die Gegner sollten als erstes Anfangen Biolebensmittel zu konsumieren, hier ist die Belastung wesentlich geringer und es werden dadurch meistens regionale Strukturen unterstützt.
    Selbst wenn der Einsatz von Glyphosat gesundheitliche Folgen hat, ist die Verminderung von Bodenerosion und die Steigerung der Wasseraufnahme ungleich höher zu bewerten, gerade unter den spannenden aktuellen Witterungsveränderungen.
    Als Biobauer bin ich außerdem auf eine scharfe Profilierung gegenüber meinen konventionellen Kollegen dankbar, Glyphosat sorgt dafür.

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