Adler statt Spatz – Artenschutz für Schützenvögel

Schützenvogel
Quelle: Wikipedia

„Die Sachen, die dort in Berlin entschieden werden, haben mit der Lebenswirklichkeit nichts mehr zu tun“, sagte Martin Tilmann, stellvertretender Bundesoberst. Einen ernsthaften Vorfall, der die Sicherheit der Besucher gefährden würde, habe es auf einem Sauerländer Schützenfest noch nie gegeben.

Um was geht es?

Unser Waffenrechts-New-Zeitung schrieb am 6. März:

Der Schützenvogel
Diese Tierart findet man häufig in ländlichen Gebieten, in denen Tradition und Brauchtum noch etwas bedeuten. In Südwestfalen zum Beispiel. Dort wird es ziemlich laut, wenn man nur das Wort „Schützenvogel“ ausspricht. Aber warum? Weil das Bundesministerum mittlerweile auch eine Regelung herausgebracht hat, wie ein solcher Vogel auszusehen hat – als hätten sich nicht schon Generationen von Brauchtumsschützen darüber reichlich Gedanken gemacht. Und darüber regt sich besonders Karl Jansen, seines Zeichens Bundesoberst des Sauerländer Schützenbund e.V., auf. Und das zu Recht, wie wir meinen. Wir zitieren einen winzigen Punkt aus dem über hundertseitigen Pamphlet, welches den Schützenvereinen, Schiessbuden und Schiessstandbetreibern genau vorschreibt, wie und auf was man zu schiessen hat:

Die Ziele (z.B. Vogelziel) sind an einer zentralen Halterung mittig im Geschossfangkasten anzubringen. Sie müssen aus astfreiem Weichholz (Tannen-, Fichten-, Pappel- oder Balsaholz) beim Beschuss mit Feuerwaffen sowie Sperr- und Balsaholz bei DL-Waffen gefertigt sein und dürfen keine Metallteile enthalten.

„Das ist eher eine Taube oder ein Spatz als ein Adler.  Denn aus einem so kleinen Kern könnten die Vogelbauer keinen Adler mit einer Spannweite von mehr als 1,5 Metern mehr bauen. Wenn diese Schießstandrichtlinie wirklich umgesetzt werden muss, dann können wir gleich aufs Schützenfest verzichten.“ zitiert die Welt am 10. März 2013 den Oberst des Kreisschützenbundes Brilon, Dieter Braun.

Der Sauerlandkurier berichtet: Auf den Schützenfesten ginge es vor allem um Tradition. Zudem finanzieren die Schützenfeste die Schützenhallen, in denen auch Theateraufführungen stattfinden und für Feste genutzt werden.

Innerhalb einer Woche hatte sich dieses #Aufschrei-Thema erledigt

Die leidige Vogelschutzfrage wurde vom BMI erstmal auf das Jahr 2014 mit Evaluation vertagt

In der Pressemitteilung Prof. Dr. Patrick Sensburg, MdB für den Wahlkreis Hochsauerland, dürfen wir lesen :

Das Bundesministerium des Innern wird noch heute (13. März 2013) eine Änderung der Richtlinien [—] im Bundesanzeiger bekannt geben. … Die Schießstandrichtlinie vom 23.10.2012 war das Ergebnis der Abstimmung eines Expertenvorschlages, der von der DEVA von maßgeblichen Verbänden, namentlich der Verbände der Schießstandsachverständigen und von Spezialisten der Bundespolizei erarbeitet wurde. Ziel der Änderung der Schießstandrichtlinie durch die Experten war eine Erhöhung der inneren und äußeren Sicherheit eines Schießstandes.
In jüngster Vergangenheit hat sich jedoch gezeigt, dass insbesondere die Regelungen zur Dicke der Zielen für Vogelschießstände zu praktischen Problemen führen können. Mit der Änderung soll ein angemessener Ausgleich der Interessen zwischen Sicherheit undTraditionspflege hergestellt werden.
Was war passiert? Im Oktober 2012 wurde eine Schießstand-Richtlinie beschlossen, die ohne die Vertreter der Schießstand-Nutzer erarbeitet wurde. Weder DEVA, noch die Sachverständigen oder die Experten der Bundespolizei hatten die Praxiserfahrung, die die Schießsport- und Jagdsportverbänden besitzen. Die beschlossenen Richtlinie ist in „Beamtendeutsch“ verfasst, d.h. für normale Menschen in ihrer Interpretationsmöglichkeit kaum ersichtlich. Erst die „eigenwillige“ Interpretation im rot-grün regierten Sauerland brachte das Fass zum Überlaufen.

Ob der Einspruch des DSB, der FDP, der Medien oder der Basis mittels Petition den Ausschlag gabe, weiss ich nicht. Innerhalb nur einer Woche wurde diese selten unpraktische Richtlinie ausgesetzt, d.h. mit Evaluation vertagt.
Ich bedanke mich bei allen, die dazu beigetragen haben:

Im Gegensatz zur #Aufschrei Debatte haben wir keine 60.000 Twitter-Follower. Dafür aber eine Gemeinschaft, die es geschafft hat, von Presse und Politikern wahrgenommen zu werden. Und das fast ohne virtuelle Medien, sondern hauptsächlich mit realen Protesten und Medienunterstützung, vor allem der lokalen Zeitungen.

Ich bin echt stolz auf alle, die dabei mitgewirkt haben.

8 Gedanken zu “Adler statt Spatz – Artenschutz für Schützenvögel

  1. Sehr geehrte Frau Triebel,
    Ihnen ist ein kleiner Fehler unterlaufen.
    Die Facebook-Seite „Adler statt Spatz“ ist eine Initiative der Jungen Union Hochsauerland. Aber da wir sehr viele begeisterte Schützen in unseren Reihen haben passt es schon fast mit der Bezeichnung Brauchtumsschützen 😉 Aber die Hauptsache ist: Alle gemeinsam waren wir erfolgreich!

    Und mittlerweile haben wir sogar über 5.200 Fans.

    Viele Grüße
    Thomas

  2. Hallo Katja!
    Super Artikel, bei der Überschrift musste ich schmunzeln.

    Aber eine Ergänzung noch:
    Es gibt auch eine Petition bei OpenPetition.
    (siehe: http://german-rifle-association.de/schiesstandrichtlinie-geandert-mit-kanonen-auf-spatzen-geschossen/)

    Diese sollten wir auf jeden Fall noch bis zum Ablauf unterstützen. Das ist auch ein wenig so eine Art Lackmus Test, wie die Schützenbasis Petitionssysteme annimmt.

    Wenn da nämlich was geht, dann haben wir da vielleicht eine gute Möglichkeit… naja, ich habe da so ein paar Ideen. 😉

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