Unschuldig des Amoklaufs verdächtigt: Selbstanzündung

Edvard Munch: Der Schrei
Edvard Munch: Der Schrei (© © The Munch Museum/The Munch Ellingsen Group/VBK )
Ich bin heute morgen ganz zufällig über diesen Artikel gestoßen, der mich sehr schockiert hat – und der bisher nicht in den Schlagzeilen gelandet ist. Ein 17-jähriger Jugendlicher hat sich am Donnerstag, den 31. August 2013 selbst angezündet. Er starb am folgenden Tag in einer Klinik.

Vorigen Samstag hatten die Eltern in der Zeitung eine Todesanzeige veröffentlicht. „Zerstört vor 4,5 Jahren durch falsche Anschuldigungen und seitdem auf der Suche nach Menschlichkeit im Menschen“


Weiterlesen: Die Verwandlung eines fröhlichen Kindes

2009 wurde Jan Frederick M. , weil er von einem Messer im Unterricht redete, des Amoklaufs verdächtigt und an den Pranger gestellt. Er musste, obwohl er nichts getan hatte, einen Entschuldigungsbrief aufsetzen. Diesen Brief hinterließ er zum Abschied auf seinem Bett.

Dieser Tod wurde durch Pranger und Hysterie verursacht!

Prof. Dr. Scheithauer  warnt in seinem Buch [1] vor Falsch-Verdächtigungen, da diese sich als „selbsterfüllende Prophezeiung“ erweisen können.

Hier hat der Junge den Freitod öffentlich inzeniert, ohne ihn zu erweitern. Ein anderer, wütender oder gewältätiger Mensch in dieser Situation hätte auch ganz anders „Abschied nehmen“ können – mit vielen weiteren Opfern.

Laut Wikipedia sind „Selbstverbrennungen [..] häufig öffentlich, dramatisch und eine Reaktion auf soziale und politische Konflikte. Daher werden sie für die Medien zu einem berichtenswerten Ereignis. Sie können als eine Form des altruistischen Suizids für einen kollektiven Zweck betrachtet werden.“

Es ist notwendig, dass dieser öffentliche Freitod eine Untersuchung der Ursachen nach sich zieht. Aber dazu müssten Presse und Bevölkerung darauf aufmerksam machen, z.B. mit #Pranger? Denn ohne Druck passiert in diesem Land anscheinend kaum noch etwas Vernünftiges.

Doch die Medien schweigen.

Liegt es daran, dass sie mit ihrer Hysterie im Jahr 2009 eine Mitschuld an diesem Tod tragen?

Update um 20:30

Express.de berichtet über die Hintergründe und zeigt auch die Todesanzeige der Eltern, in der die Lithografie von Edward Munch zu sehen ist:

Doch auch die Therapie half dem Jungen nicht. Er fühlte sich missverstanden und ausgelaugt, so sein Vater. „Mein Sohn ist durch die Hölle gegangen. Fredericks Lieblingsbild war »Der Schrei« von Edvard Munch.“

[1] Herbert Scheithauer und Rebecca Bondü, 2011, Amoklauf und School Shooting

9 Gedanken zu “Unschuldig des Amoklaufs verdächtigt: Selbstanzündung

  1. Hoffentlich ist die Lehrerin von damals jetzt zufrieden? Wo bleibt der Aufschrei seiner Mitschüler, wo die Lichterkette, wann gibt’s eine Gedenkfeier? Schämt Euch kann ich da nur sagen!

  2. Über solche Fälle wird es keine große Berichterstattung geben. Denn das würde dazu führen dass die Gesellschaft über ihr Handeln und ihre Anschauungen nachdenken müsste.
    Dies möchte aber keiner. Daher wird es so gut wie totgeschwiegen.
    Zum ko..en!

  3. Zunehmend zu beobachten: Die neue Gesellschaft respekt. die Politik braucht m. E. immer jemanden auf den sie den Zeigefinger richten kann; .. hier der arme Junge, … dann die Jaeger und Sportschuetzen; ganz frueher die Juden.

  4. Ich glaube das z.Z. viele Menschen vor einen entscheidennen Schritt in ihren Leben stehen.
    Nein, ich meine jetzt kein Suizid oder Amoklauf, sondern über ein ein einfaches Kreuz am
    22. September !
    Wir haben es in der Hand und das im wahrsten Worte des Sinnes !
    Geht wählen und danach dranbleiben :
    http://www.abgeordnetenwatch.de/

  5. Suizid – ein interessantes Thema denn oft wird kaum etwas über die Hintergrunde laut. Noch übler wird es wenn man dann den Sachen nachgeht. Sehr interessant das Thema Winnende. Was Tim K. machte ist keineswegs gut zu heißen aber glaubt man wirklich an eine Schule oder ein Umfeld wo es nie aber auch nie sowas wie Mobbing gab ?

    Ein Fall der mich bis heute bewegt war der Tot eines Mannes der auf einen Hochsitz ging. Er hatte nur etwas Wasser. Er wollte sich durch Verhungern töten was ihm auch gelang. Ich bin Stolz das ich als einer der wenigen auf der Welt sein Tagebuch lesen durfte und finde es bedauerlich das man dieses Werk nicht veröffentlichte. Es ist ein Zeugnis eines Menschen das ziemlich gut auf einer Seite das Versagen einer Gesellschaft eines Staates beweist.

    Amoklauf – ein Begriff der auch eher mehr vergewaltigt wird denn „echte“ Amokläufe sind sehr selten. Was man meist unter Amoklauf versucht zu vertuschen sind meist die Verzweiflungstaten von menschen die keinen anderen Ausweg mehr sahen. Betrachten wir deren Leben dann haben diese Täter oft eine ziemlich grausige Vergangenheit; viele sind wahrlich durch Zeiten gegangen die man eher als eine Art anderer Krieg bezeichnen kann und Krieg ist echt ein Übel. Du braucht keine Granate um Krieg zu spielen; ein dummer Richter kann ein noch so dummes Urteil treffen das dich schlicht zerfetzt … wie eine Granate.

    Oft würde ich weniger von diesem erfundenen Begriff Suizid weichen denn viele machen kein Suizid sondern suchen einfach den Ausweg im Freitod. Der Begriff Freitod wird ungerne gesehen denn damit kommt der Aspekt das Menschen wirklich lieber ihren eigenen Tot in kauf nehmen als ihr Leben. Was treibt die Leute dahin usw. usw. Gehen wir dem nach kommt womöglich am Ende die Frage:

    in was für einer Welt in was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich ?

    Eine Kernfrage die sich viele „Suizidale“ vor ihrem Ableben stellten. Auch wenn du dir jetzt diese Frage stellst und womöglich zu klaren Antworten kommst solltest du kein Grund darin finden dein Leben ein Ende zu machen obschon du womöglich 1 Mio guter gründe hast.

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