Gibt es eine deutsche Waffenlobby wie die NRA?

Eine aktuelle Studie von Forbes Insight untersuchte die öffentliche Meinung zur Waffenkontrolle in den USA. Forbes Insight sieht sich selbst als unabhängig. Forbes schrieb am 1. Februar 2013:

Wir fanden heraus, dass die NRA und die Waffenfreunde immer mehr Einfluss in diesem Kampf gewinnen und dass sie auch weiterhin stark und einflussreich bleiben werden, sofern die Waffenkontroll-Aktivisten weiterhin fragmentiert auftreten. 

Gun Control Influence Infographic
Gun Control Influence Infographic – übersetzt

 

Bei uns in Europa ist es genau anders herum.

Hier sind die Hauptplayer die Grünen, die europaweit verteilt mit einer einheitlichen Meinung auftreten, während die Waffenfreunde zersplittert und uneinig sind, sowohl nationational als auch innerhalb der EU.

Die Waffenkontroll-Aktivisten

Die Waffenkontrollbefürworter sind unter dem IANSA vereint, welches 500 Millionen Mitglieder aus 800 Organisationen in 120 Ländern vertritt. 2003 starteten IANSA, Oxfam und amnesty international die Control Arms-Kampagne. Durch Hintergrundberichte und öffentliche Aktionen wurden die Folgen des Schusswaffenmissbrauchs und die Forderungen nach verstärkten Kontrollen und Entwaffnung publiziert. Das Netz hat hervorragende Verbindungen zu den Regierungsprojekten und Mitgliedern, die die UN-Kleinwaffenkonferenz beraten und ausrichten. Auch wird deren Anliegen von den Medien unterstützt. Via Oxfam und amnesty international entstand die Verbindung mit den europäischen und deutschen Grünen, die die aktivste politische Kraft pro-Waffenkontrolle darstellen.

Jede nationale und internationale Tragödie wird genutzt, um ein „Kleinwaffenproblem“ herbeizureden.

Dabei konzentrieren sie sich ausschließlich auf Massaker, die mit vormals legalen Waffen durchgeführt wurden oder von denen man zunächst glaubte, sie seien in legalem Besitz, so wie bei der Geiselnahme in Karlsruhe. Doch hörte man kein Wort von den Grünen nach den Amokläufen auf dem Frankfurter Flughafen (2011: 2 Tote, 3 Verletzte), auf dem Marktplatz in Lüttich (Belgien 2011: 6 Tote, 124 Verletzte),  vor der jüdischen Schule in Toulouse (Frankreich 2012: 7 Tote) oder von dem Amoklauf des Polizisten (Slowakei 2012: 3 Tote, 2 Schwerverletzte). Denn all diese Taten wurden mit illegalen Waffen ausgeführt.

Nichts hört man von ihnen, wenn illegale Waffen benutzt wurden.

Auch in Deutschland werden jedes Jahr über 100 Menschen mit illegalen Waffen getötet. In den letzten 20 Jahren waren dies über 3000 Menschen. Aber der grüne Focus liegt auf den fünf jährlichen Opfern, die mit legalen Waffen in einer Beziehungstat ermordet wurden. So wird die Zahl von 120 Sportwaffenopfern in 20 Jahren seit Jahren als Argument genutzt, die 3000 anderen Opfer jedoch verschwiegen.

Unterstützung durch die Medien

In Amerika unterstützen 18 von 20 Top-Zeitungen die Kontrollaktivisten. Es werden Verschärfungen, Verbote und Kontrollen gefordert. Fakten werden unterdrückt, genehme Fakten werden ausgeweidet. Den Waffenfreunden wird eine Mitschuld an den Massakern unterstellt.

Die deutschen Medien übernehmen dies. So gibt die WELT der Waffenlobby die Schuld, wenn in einer Stadt mit Waffenverboten (Chicago) eine unschuldige Frau in einem Bandenkrieg mit illegalen Waffen ihr Leben verliert. Die WELT vergisst dabei zu erwähnen, dass gerade die US-Städte mit den schärfsten Waffenrechten die höchsten Mordraten verzeichnen und auch den höchsten Schusswaffenmissbrauch. Auch wird vergessen, dass in Chicago bereits alle Gesetze umgesetzt wurden, die die Kontroll-Aktivisten einführen möchten. Ein ähnliches Recht gibt es auch im District of Columbia. In der öffentlichen Statistik der USA kann man lesen, dass dort die Mordrate bei 21/100.000 Einwohner liegt. 76% dieser Morde wurden 2010 mit Schusswaffen begangen. In Vermont hingegen mit dem liberalsten Waffenrecht der USA liegen die Werte auf europäischen Niveau : Mordrate 1,1/100.000 Einwohner mit 29% Schusswaffengebrauch.

US Statistik 2010
US Statistik 2010

Wer ist die deutsche Waffenlobby?

Laut Medien und Politik gibt es derer drei: zum einen die Rüstungslobby (Krauss-Maffei, Heckler&Koch u.ä.), dann die Verbände (DSB, DJV, FWR u.ä.) und zum anderen die Graswurzelbewegung der privaten Waffenbesitzer. Letztere haben sich in Online-Foren formiert und den Verein prolegal Interessengemeinschaft für Waffenbesitz e.V. gegründet. In diesem Verein, dem auch ich (bis Januar 2013) als Direktorin angehörte, sind fast 6000 Mitglieder, d.h. statt 4% aller deutschen legalen Waffenbesitzer wie in den USA, sind lediglich 0,4% organisiert.

Während sich die Rüstungslobby aus der Waffenrechts-Debatte in Deutschland völlig heraushält und die Verbände sich nur vorsichtig äußern, ist die Graswurzelbewegung laut und fordernd. Dies ist einigen Politikern und vielen Medien Anlass genug, diese Menschen, die ihre Bürgerrechte wahrnehmen, als gesteuerte, von der Rüstungslobby finanzierte Waffenlobby zu diffamieren.

Die Bundestagsfraktion der GRÜNEN/BÜNDNIS 90 forderte am 24. Januar:

Newtown darf nicht Neustadt werden

Grüne Forderungen zur Verschärfung des Waffenrechts müssen endlich umgesetzt werden.

Über 400 Kommentare gibt es zu dieser Forderung von Waffenbesitzern und Nicht-Waffenbesitzern, die diese Forderungen ablehnen. Die Grünen diskreditieren diese Bürger mit ihrem Kommentar:

Liebe Leserinnen und Leser unseres Beitrags,

auch wenn viele von Ihnen unsere Position offenbar nicht teilen, freuen wir uns über ihr Engagement. Leider drängt sich bei so manchen Kommentaren der Eindruck auf, dass diese als Plattform genutzt werden, die Meinung von bestimmten Teilen der Waffenlobby zu verbreiten, ohne dass der Text dafür einen Aufhänger enthält….

Ähnlich verfuhren die Medien. Das Gunboard-Forum und prolegal hatten zur Niedersachsen-Wahl eine Zweitstimmen-Kampagne für die FDP lanciert. Der entworfene Wahlflyer wurde mitnichten durch teure Anzeigen oder mit Unterstützung der großen Verbände publiziert, sondern wurde – wie es für Graswurzelbewungen üblich ist, die keine Finanzmittel haben – per Email verteilt und auf Schießständen an das Schwarze Brett gepinnt.

Waffenlobby unterstützt FDP

empörte sich die Süddeutsche Zeitung und das Handelsblatt. (Bitte auch die Leserkommentare lesen). SPD Geschäftsführer T. Oppermann twitterte erbost den Wahlflyer. Claudia Roth tat es ihm auf Facebook nach und versäumte es nicht, auf ihre Haltung zum Waffenbesitz hinzuweisen:

„Die Schützenhilfe der Waffenlobby wird Rösler aber auch nicht mehr helfen, denn bei der Wahl in Niedersachsen geht es um mehr. Es geht darum, dass eine Partei mit einem falsch verstanden Freiheitsbegriff aus dem Landtag fliegt.

Nur mit den Grünen wird es schärfere Waffengesetze geben und der Einfluß der Waffenlobby zurückgedrängt.“

Wahlflyer

So sieht also die deutsche Waffenlobby aus!

Gunboard und prolegal entwerfen einen Flyer. Dieser wird per Email verteilt, in kleiner Auflage auch für die Schießstände gedruckt und findet in den Medien und bei einigen Politikern Verbreitung, die unsere Aufklärung als Bedrohung ansehen.

War dieser Flyer der Grund, warum der 13% Vorsprung von Rot/Grün am Wahltag auf 0,0001% schrumpfte?

Was könnten wir erreichen, wenn prolegal 60.000 statt nur 6.000 Mitglieder hätte?

Was könnten wir erreichen, wenn die Verbände, in denen 1,5 Millionen legale Waffenbesitzer organisiert sind, prolegals Aufklärung unterstützen würden?

Was könnten wir erreichen, wenn die nationalen Interessengemeinschaften wie IWÖ (Österreich), protell (Schweiz), LEX (Tschechien) und die mir nicht bekannten aus den anderen EU-Ländern mit einer Stimme sprechen würden?

Wir könnten mit Sicherheit erreichen, dass die gesammelten Fakten und die neutralen Studien publiziert und wahrgenommen werden, die alle zum gleichen Ergebnis kommen:

Es gibt keinen Zusammenhang zwischen legalem Waffenbesitz und Mordraten

Update 10.02.2013:
Da zwei Direktoren seit diesem Monat prolegal nicht mehr angehören, habe ich einen Satz geändert. Dieser ist kursiv markiert.

22 Gedanken zu “Gibt es eine deutsche Waffenlobby wie die NRA?

  1. „So wird die Zahl von 120 Sportwaffenopfern in 20 Jahren seit Jahren als Argument genutzt, die 3000 anderen Opfer jedoch verschwiegen.“

    Nein, die ANGEBLICHEN 120 Sportwaffenopfer. So viel Zeit muss sein. 😉

    Und diese so oft kolportierten 120 bzw. 130 Opfer sind überhaupt nicht belegt, die Zeit- und Ortsangaben nicht mit Quellen verknüpft. Durch die äußerst schwammige Formulierung „Getötet mit Schußwaffen von Sportschützen“ bleibt die Interpretation dem Leser überlassen:

    Geht es nun um Opfer, bei denen die Tatwaffe eine (gestohlene, ehemalige, verlorene, verkaufte etc.) Schusswaffe eines Sportschützen war oder war der Täter selbst ein Sportschütze, der (irgend) eine Schusswaffe als Tatmittel einsetzte.

    Seriös geht anders.

    Nur durch diesen genau so genialen wie perfiden Kunstgriff schafft es der werte Herr Grafe, seine Opferzahl zusammenbekommen und seine Statistik in die gewünschte Richtung zu pushen.

    • In Kriminalistik 12/2006 (http://www.panpagan.com/downloads/kriminalstatistik.pdf) steht über Tötungsdelikten mit legalen Schusswaffen:

      „Hinzuzufügen ist, dass gerade diese Taten mit hoher affektiver Motivation durchgeführt werden, wie auch das BKA bestätigt. Ein affektiv motivierter Totschlag wird also unabhängig davon begangen, welche Waffe dem Täter im situativen Kontext konkret zur Verfügung steht: Hier wird jede verfügbare Waffe, auch die legalen Schusswaffen, weil gerade zur Hand, zur Tatausführung benutzt. […] Selbst die völlige Abschaffung jeglichen Legalwaffenbesitzes würde demzufolge diese Tötungen nicht verhindern.“

      • Auf „grün“ hört sich das dann aber so an:

        „Schneidewind-Hartnagel sieht in dem von der Polizei rekonstruierten Tatgeschehen einen Nachweis dafür, dass der private Besitz von Munition und Schusswaffen das tödliche Geschehen in dem Eberbacher Wohnhaus erst möglich machte.“

        Das Zitat stammt von der grünen Argumenteverdreherin Charlotte Schneidewind-Hartnagel MdL BW, welche auch nach einem Gespräch mit einem Schützenverein behauptete, alle Schützen wollen künftig mit Laserpointer „schießen“.
        Eine Richtigstellung kam auf Nachfrage beim Schützenverein prompt am nächsten Tag.

      • Gibt es einen Link zu der Richtigstellung des Schützenvereins?
        Denn mir ist nur der Artikel bekannt, dass Sportschützen nur Laserleuchten bräuchten. Der wurde vielfach gepuscht, die Richtigstellung ist an mir vorbeigegangen.

    • Danke für die Richtigstellung bzgl. der Grafe-Liste, in der ja u.a. auch das Verbrechen in Karlsruhe auftaucht, obwohl es dort um illegale Waffen handelte. Auch verifiziert er seine „Quellen“ nicht.

      Wie ich bereits schrieb: genehme „Fakten“ werden ohne Nachfrage übernommen, unangenehme Fakten verschwiegen.

      So wurde z.B. im eigens für die „Kleinwaffenproblematik“ erschaffenen Projekt Small Arms Survey im Jahrbuch 2004 die Schweiz mit 4,3 Millionen Dollar als Sudans zweitgrösster Waffenlieferant im Jahr 2002 bezeichnet. Die Schweiz hatte jedoch lediglich eine Pistole im Wert von 4100 Schweizer Franken bewilligt und exportiert. Wie immer folgt keine Richtigstellung, auch wenn das betroffene Land dies einfordert: http://www.sncweb.ch/pressemitteilung/september/17/ch/die%20schweiz.htm

  2. Update: Obama selbst merkt, dass er an Boden verliert.

    Aktuell outet er sich als Flintenschütze, um die amerikanischen „gemäßigten“ Waffenbesitzer auf seine Seite zu holen, d.h. die ohne AR oder 15-Schuss-Magazin im Besitz.

    Die NRA verfolgt in den USA seit Jahrzehnten die Politik, nicht mal den kleinen Finger zu geben. Ganz im Gegensatz zu den deutschen Verbänden, die vier Jahrzehnte dem Sankt-Florians-Prinzip frönten.

    Von daher ist anzunehmen, dass die NRA-Mitglieder und auch die anderen US-Amerikaner ganz genau wissen, was Sache ist (im Gegensatz zu unseren deutschen LWBs, die einen GK-Waffenverbieter Kretschmann zum Schützentag einladen wollten).

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/waffen-debatte-foto-zeigt-barack-obama-beim-schiessen-a-881159.html#ref=rss

  3. Für mich hat Obama eh schon verloren. Er hat doch den Etat im US Haushalt selbst gekürzt, welcher für Notfallpläne usw. an Schulen in den US da war. Und für dieses Jahr meines Wissens komplett gestrichen. Ich empfehle jedem wärmstens die Rede von Wayne LaPierre mal im Original oder als Script in der deutschen Übersetzung anzusehen (z. B. auf prolegal.de). US Banken werden von bewaffneten Sicherheitskräften geschützt, so wie Flughäfen und Bahnhöfe und sogar Sportstadien… Sind diese wichtiger als die Kinder???? Das ist seine Aussage. Nicht, wie von den dt. linken Medien behauptet eine angebliche Forderung nach mehr Waffen. Aber nochmal: Wir wissen so etwas. Die Antiwaffenfanatiker können wir nicht überzeugen. Die leben nach ihrer Ideologie. Wir müssen auf die Bürger zugehen, die nicht von Haus aus gegen uns sind…
    In diesem Sinne, Ciao, daniglae

  4. Seit den 70er Jahren wird es für uns Waffenbesitzer immer schwieriger.
    In den 70er war der Terrorismus der Grund, heute die vermeintlichen Nazis, warum man mir meine Waffen wegnehmen will. Morgen sind wir vermutlich auch Schuld das Bio Hühnerfarmen gar nicht Bio sind. Da wird den Grünen bestimmt auch noch ein Grund einfallen den man uns anhängen kann.
    Nur Mann/Frau (Politiker) sollten sich an einem Spruch von Hans Apel (SPD), das muß Anfang der 80er Jahre gewesen sein, erinnern. Er sagte: „Die Deutschen Schützen und Jäger sind unsere letzte Verteidigung wenn es mit Moskau ernst wird und ich bin davon überzeugt das sie zusammen mit unserer Bundeswehr unser Vaterland verteidigen werden“. Und alle in Bonn haben geklatscht. Das haben die Politiker leider vergessen, dass wir Schützen, Jäger und Waffensammler mal gut genug ware den vermeintlichen Rückzug unserer Politker zu decken wenn es Ernst wird. Diese Bedrohung gibt es heute nicht mehr, getreu dem Motto: Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen.
    Ich bin weder Terrorist noch Nazi… Aber warum soll ich mir meine Waffen abnehmen lassen?

    Maverick

    • To the European gunright advocates.

      There are actual plans to spread our informations in different languages. I’ll keep you updated as soon as it is fact and no fiction anymore. Maybe even in 2 months.

      An alle europäischen „Waffenlobbyisten“.

      Es gibt aktuelle Pläne für eine mehrsprachige Plattform. Sobald es Fakt ist, werde ich davon berichten, vielleicht schon in 2 Monaten.

  5. Es geht nicht so sehr um die Verhinderung von Kriminalität oder Unfällen mit Waffen. Vater Staat hat Angst vor seinen Bürgern. Wir könnten ja mal aufmucken. Fakt ist, in vielen totalitären Staaten ist es Bürgern absolut verboten Waffen zu besitzen; siehe hier Russland.

    • Das war in Russland bis 1990 so. Damals hatte Russland eine Mordrate von 25 per 100.000 Einwohner. Heute ist in Russland der Besitz von Schrotflinten jedem 18-jährigen erlaubt, es gibt Jäger mit Semi-Automaten und Sportschützen. Die Mordrate lag 2008 bei 9 und ich bin mir sicher, sie liegt heute noch weit darunter.

      Aktuell gibt es einige Politiker, die wie in der Schweiz, Tschechien und Kroatien auch Kurzwaffen zur Selbstverteidigung ermöglichen wollen.

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