Mein Kommentar zu Memmingen

Der Kampf der Medien gegen die Waffenlobby

Ein 14-jähriger entwendete die Waffen aus einem elektronisch gesicherten Waffenraum, brachte sie zur Schule, schoss einmal in den Boden, flüchtete auf einen Sportplatz und drohte stundenlang mit „Suicide by Cops“. Das professionelle Vorgehen der Polizei rettete ihm das Leben.

Währenddessen lief sich die Presse heiß. Im Minutentakt wurden Nachrichten publiziert, Schüler, Lehrer und Rektor interviewt, Mutmaßungen angestellt und immer wieder das Wort Amoklauf benutzt. Bereits am nächsten Tag wussten die großen Medien, wer für diesen Vorfall verantwortlich sei.

Die Medien sagen: Die Waffen sind schuld
Experten sagen: Medien und Gesellschaft sind schuld
Die Waffenlobby sagt: Die Waffen sind nicht schuld

Wer hat die schlüssigeren Argumente?

Die Medien sagen: „Die Waffen sind schuld“

Am 21. Mai 2012 tagte eine Expertenrunde im Bundestag zum Waffenrecht. Die geladenen Experten, u.a. auch Vertreter der Exekutive (Sascha Braun von der Gewerkschaft der Polizei) und der Judikative (Oberstaatsanwalt Rainer Hofius) lehnten die Gesetzesentwürfe der Grünen/Bündnis 90 mehrheitlich ab. Doch kein Medium berichtete davon.

Die Grünen wollen legale Großkaliber-Kurzwaffen verbieten, obwohl Statistik, Polizei und Judikative bescheinigen, dass diese Waffen kein erhöhtes Risiko darstellen. 99% der „Mordwaffen“ sind keine Sportwaffen, sondern stammen aus illegalem Besitz, der stärker verfolgt werden müsste.

Die Grünen wollen Schusswaffen zentral lagern, obwohl solche, auch staatlich überwachte, Lager in der Vergangenheit und in anderen Ländern die Hauptquellen für die illegale Beschaffung waren. Diese Auffassung teilt auch die größte deutsche Polizeigewerkschaft GdP, sowie Oberstaatsanwalt Hofius. Er sieht in zentralen Lagern ein hohes Risiko für die öffentliche Sicherheit und Ordnung.

Die Grünen wollen bestimmte Langwaffen nur deshalb verbieten, weil sie „gefährlich“ aussehen. Diese Waffen tragen in Deutschland das Deliktrisiko Null, egal ob aus illegalem oder legalem Besitz.

Am nächsten Tag löste ein Memminger Schüler Amok-Alarm aus. Am übernächsten Tag wiederholten Claudia Roth und Christian Ströbele von den Grünen ihre Gesetzesentwürfe. Aus dem Selbsttötungsversuch des Jungen wird ein medial inszenierter Amoklauf. 50% der Amokläufe würden in Deutschland mit Schusswaffen begangen. Wenn diese verboten oder zentral gelagert wären, gäbe es keine Amokläufe mehr. So schreiben es auch Spiegel, Stern, Zeit und Welt. Nur die allmächtige Waffenlobby sei gegen diese Maßnahmen. Ihr Einfluss sei auch der Grund, warum das Waffengesetz nicht genügend verschärft werde. Aber kaum ein Wort zu den Einwänden der Experten vom Vortag.

Jeden Tag stirbt ein Mensch durch Gewalt

Haupttatmittel sind Messer, körperliche Gewalt, Gift, Feuer und Kopfkissen. In zehn Prozent stirbt das Opfer durch eine Schusswaffe, die zu 99% aus illegalem Besitz stammt. Doch grüne Politiker sind auf diesem Auge blind. Über 365 Morde jährlich veranlassen sie nicht, nach mehr Polizei, nach mehr Prävention und Verfolgung zu rufen oder einer anderen Familien- und Integrationspolitik.

Opfer durch Alltagsgegenstände oder verbotene Waffen zählen für Medien und grüne Politiker nicht. Nur der legale Besitz von Waffen sei ein Risiko, das man per Gesetz vernichten müsse. Und so werden auch Vorfälle ohne Opfer – wie der in Memmingen – medial ausgeschlachtet.

Experten sagen: „Medien und Gesellschaft sind schuld“

Mehr als 40% der Amokläufe werden innerhalb von 10 Tagen nach ausführlichen Berichten in der Tagespresse und Fernsehen durchgeführt. Dieser in Fachkreisen benannte „Werther-Effekt“ trifft nicht nur auf „erweiterte Suizide“ (Amokläufe) zu, sondern auf Selbstmorde generell.

Pünktlich zum 10. Jahrestag von Erfurt erschienen im April und Mai 2012 Studien, Fachbücher und Bücher von betroffenen Opfereltern. Es wurde über Krisenprävention berichtet, neue Theaterstücke, ja sogar alte Opern greifen das Thema auf. Das zentrale Waffenregister wurde mit Hinweis auf Erfurt verabschiedet. Es gab Medienberichte über Amokdrohungen an Schulen in Straubing und Dortmund. Am 21. Mai zeigte N24 den Columbine-Film zum Amoklauf in den USA. Am nächsten Tag ging der Memminger Achtklässler mit den gestohlenen Schusswaffen in die Schule.

„Was einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Häufigkeit von Amokläufen auszuüben scheint, ist die Berichtserstattung der Medien. In ihr sehen sich die Täter „glorifiziert“, zumindest nachträglich bzw. nach ihrem Tod“, äußert sich Prof. Dr. med. Volker Faust.

Kriminalpsychologe Christian Lüdke setzt auf Bildung und Aufklärung. Dies gelte für Familien genauso wie für Kindergärten und Schulen. „Man muss frühzeitig dafür sorgen, dass junge Menschen lernen, mit Enttäuschungen fertig zu werden…Dann kommt es nicht zu solchen Bedrohungslagen, wie am Dienstag an der Hauptschule in Memmingen, “ sagte er in einem Interview des SWR. Er ist überzeugt, dass sich Täter auch auf dem illegalen Markt Waffen besorgen würden.

Die Waffenlobby sagt: Die Waffen sind nicht schuld

Durch die sichere Aufbewahrung übernehmen die Waffenbesitzer bereits jetzt einen Teil der Kosten des gesellschaftlichen Wandels, der anscheinend mehr und mehr junge Verzweiflungstäter hervorbringt.
Früher hing Opas Flinte am Garderobehaken und der Autoschlüssel am Schlüsselbrett. Aus Respekt oder aufgrund von Aufklärung wurden weder Flinte, noch Auto entwendet. Ein Umgang mit Schusswaffen findet im realen Leben kaum noch statt, stattdessen gibt es „Aufklärung“ durch Gewalt in den Medien. Respekt und Aufklärung benötigt unsere Gesellschaft in Bezug auf Schusswaffen. Doch der dringendste Appel geht an uns selber: Wir müssen die Ängsten unserer Kinder wahrnehmen, sie annehmen und ihnen helfen, damit umzugehen.

Weiterführende Links:

Anm.: Die News-Suche mit dem Stichwort Amoklauf in der Zeit vom 11. bis 21. Mai 2012 ergab 2110 Treffer. Die gleichen Tage in den Vormonaten bringen Werte von 3 bis 84 Nachrichten. In den Jahren 2002 bis 2011 lagen die Werte bei 1 bis 10 Nachrichten.

Dieser Kommentar erschien am 28.05.2012 auf der Webseite von prolegal e.V.  Da er dort nicht mehr zu lesen ist, speicher ich ihn hier mit dem Erscheinungsdatum neu ab.

2 Gedanken zu “Mein Kommentar zu Memmingen

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